Freitag, 31. August 2007

Di, 31. Aug. 2004

Heute schrieben wir unser erstes "Examen". Hochkonzentriert begann jeder einzelne seinen Bogen in Empfang zu nehmen und sich die Anweisungen durchzulesen:


"Don't tell anybody about the questions in this test. It may influence his / her learning."


"You have to score at least 90 % of this test to pass it."


"You may not leave the table until you have finished and handed the test over to the Supervisor."


Dann sollten eigentlich die Fragen kommen, aber alles was ich sah, war ein Satz mit einer Lücke; diese auszufüllen und das "Supervisor-Fähnchen" aufzupflanzen war in einem Augenblick erledigt. Als Judy, Monitor und Supervisor in einer Person, kam und ich sie fragte, wo denn bitte die Fragen seien, lächelte sie nur, nahm die Blätter wieder mit und meinte: "das war's schon."



Wie bitte?? - Doch den anderen ging es offenbar nicht anders. Der Reihe nach pflanzten sie ihre Supervisor-Fähnchen auf und wollten wissen, wo der Test bliebe. Sie erhielten die selbe Antwort.


In der ersten Kaffeepause um 10:00 Uhr kristallisierte sich heraus, dass - oh Wunder! - alle den "Test" bestanden hatten. Frisch motiviert und gestärkt machten wir uns wieder an die Arbeit. Bis zum Mittagessen hatte ich den ersten WISDOM-Band abgearbeitet und nach der Siesta erledigte ich den zweiten. Allerdings musste ich zwanzig Minuten überziehen.


Für allgemeine Erheiterung sorgte die Tatsache, dass Paul sich am Vortag eine Ermahnung (detention) wegen lautem Sprechen und Verlassen des Arbeitsplatzes (office) ohne Erlaubnis eingefangen hatte und deswegen heute eine Viertelstunde bei Mr. Ba "nachsitzen" durfte. Ich bin sicher, er hat seine Lektion gelernt ;-)

Donnerstag, 30. August 2007

Mo, 30. Aug. 2004

Das teachers' training


Um 8:00 Uhr begann die offizielle Vorbereitung auf unseren späteren Einsatz in der Schule. Begonnen wurde mit einem Vortrag eines gläubigen amerikanischen Professors über die Bibel als Handbuch für unser Leben, über kindliche Bedürfnisse und wie eine christliche Erziehung aussehen kann. Der Vortrag erstreckte sich über zwei Kassetten und wir hatten beim Zuhören noch ein Begleitheft mit Lückentext auszufüllen.


Nach 2 Stunden gab es die erste Erholungspause in Form einer halbstündigen Kaffee-, Tee- und Knabberpause; diese wurde im mainhouse abgehalten. Zu dieser Pause kommen auch Didi und Daniel, die praktischen Arbeiter, hinzu. Als Daniel schweißüberströmt vom Feld kam, und an uns kein Zeichen körperlicher Anstrengung feststellen konnte, meinte er, wir würden eine ruhige Kugel schieben und war fast ein wenig neidisch auf uns. Das legte sich jedoch bald, nämlich als er sah, wie viel Zeit wir in der Schule verbrachten und wie uns "der Kopf rauchte".

Nach der Stärkung ging es mit frischen Kräften zurück an die Arbeit. Zwei weitere Stunden vergingen, noch ein Test über das eben Erarbeitete, den keiner bestand (mind. 90% der Punkte), dann war die Vormittagsarbeit geschafft.



After lunch ging's um 15:00 Uhr weiter; wer wollte konnte auch schon um halb drei einsteigen. Da ich meine Arbeit ziemlich gründlich betrieb, war ich etwas hinterher und fing schon um 14:30 Uhr an. Um 16:00 gab es nochmal eine afternoon break von 30 Minuten, an die sich die Vierte Lerneinheit des Tages anschloss, die Punkt 18:00 Uhr endete.


Alles in allem hatte ich an diesem Tag 7 Zeitstunden in der Schule verbracht. Am nächsten Tag sollte der Wiederholungstest stattfinden und wir waren alle gespannt, ob wir uns auch genügend vorbereitet hatten.

Mittwoch, 29. August 2007

So, 29. Aug. 2004

Dieses Mal ging der Gottesdienst von 9:30 Uhr bis 12:15 Uhr. Nach dem gemeinsamen Mittagessen fuhr Matze alle Auswärtigen wieder zurück in ihre Dörfer.



Gegen 17:00 Uhr haben wir Zivis gegen die großen "boys" bis zum Abendessen Fußball gespielt. Gemischte Mannschaften haben wir vermieden, da ihre und unsere Spielweise ziemlich verschieden ist. Zwischendurch setzten mehrere mehr oder weniger starke Regenfälle ein, die unserer Spielfreude jedoch keinen Abbruch taten.

Dienstag, 28. August 2007

Sa, 28. Aug. 2004

Nächste Woche würde das "teachers' training" beginnen. Deshalb war für Paul und mich heute vorerst der letzte praktische Arbeitstag. Andi und Paul haben drei der Räume im boy's house zum zweiten mal geweißelt, während Didi, die beiden Daniels und ich uns aufs Feld begaben, um Unkraut zu "howen". Nach etwa einer halben Stunde setzte jedoch Regen ein, der immer stärker wurde und uns schließlich veranlasste, den Rückweg anzutreten; nicht etwa, um dem Regen zu entgehen, sondern weil wir (oder zumindest ich) froren und uns keine Erkältung holen wollten.


Fünf ein halb Tage die Woche wird gearbeitet, der Rest ist frei. In den Ferien ist der freie halbe Tag Samstag nachmittags. Später, in der Schulzeit, wird sich das aber individuell verteilen.


Unseren freien Nachmittag, der sich nahtlos an die Siesta anschloss, haben wir mit verschiedenen Denk- und Gesellschaftsspielen im Zivihaus verbracht, und / oder relaxt.



Abends haben wir uns mit Kartentricks die Zeit vertrieben. Anschließend haben wir mit Daniel ein Ratespiel gespielt: wir haben ihn zunächst für kurze Zeit vors Zimmer geschickt und ihm gesagt, der andere Daniel würde uns während dessen eine Geschichte erzählen; diese müsse er dann durch Ja-/Nein-Fragen erragten. Tatsächlich war es aber so, dass wir immer zweimal mit "Ja" und einmal mit "Nein" antworteten, und Daniel auf diese Weise die Geschichte selbst erzählen liesen.


Die Geschichte war zum Brüllen komisch, wir konnten uns oft nur mit größter Mühe zurück halten, lauthals loszulachen. Als wir Daniel dann jedoch aufklärten, dass er eigentlich die Geschichte erzählt hatte, meinte er nur: "Das sind Typen!"


Das ist in den letzten Tagen zu einem Standardspruch geworden, gewissermaßen eine richte Modephrase. Immer wenn einer von uns oder den Einheimischen irgend etwas Lustiges oder sonst Außergewöhnliches macht oder von sich gibt, fällt diese Redewendung. - "Das sind Typen!" - Dabei wird die erste Silbe von "Typen" gedehnt gesprochen, und über das ganze Gesicht gegrinzt. Ich weiß schon, was ihr jetzt denkt — Das sind Typen!!

Montag, 27. August 2007

Fr, 27. Aug 2004

Am Morgen haben Dani und ich uns mit der Machete den verbleibenden Weg am Zaun entlang zum Tor vorgearbeitet. Unterdessen haben die anderen AnDis drei Zimmer im boys' house die Wände geweißelt und anschließend Bohnen geerntet.



Nach der Siesta schnappten Matze und ich uns jeder eine Hacke und befreiten vor einigen Monaten gepflanzte Bäumchen von Unkraut und sonstigem Grünzeug, das im Umkreis von 30 bis 40 cm vom Stamm wuchs. Dany und Paul nahmen sich die Termitenhügel vor. Zunächst wurden sie mit dem Pickel bearbeitet und anschließend, um die Termiten auch "nachhaltig" vom Wiederaufbau abzuhalten, mit ein paar Litern Altöl den Termiten verleidet. Ich glaube, in Deutschland würde das nicht so einfach gehen ...

Sonntag, 26. August 2007

Do, 26. Aug. 2004

time for a change


Der Vormittag war von "Reisevorbereitungen" geprägt, wollten doch am Nachmittag Henry, Wuye und Sedu nach Somita aufbrechen um dort zwei Wochen zu arbeiten.


Zur gleichen Zeit waren Daniel, Didi und Daniel von Serekunda nach Somita unterwegs, wo sie auf die drei anderen warteten. Da diese aber erst später loskamen als geplant, traf man sich in Somita nicht mehr. Irgendwann fuhren die drei D's dann doch los, denn verfehlen konnten sie Henry und die beiden anderen nicht, da es ja nur eine Strße gibt ...


Während dessen arbeiteten Matze, Paul und ich uns im Regen an der Außenseite des das Camp umgebenden Zaunes mit der Machte durch das hohe Gras. Nach diesem Job waren wir von Kopf bis Fuß völlig verdreckt.



Als ich von der obligatorischen Dusche zurück kam, war Daniel Simon, der dritte neue Zivi im Bunde, gerade angekommen. Bei sich hatte er allerlei technisches Equipement: ein Notebook, zwei Funkgeräte, drei Ventilatoren mit USB-Anschluss, 200 CDs, Batterieladegerät, und einiges mehr. Soviel zum Thema "Leben in der Pampa" :-)

Samstag, 25. August 2007

Mi, 25. Aug. 2004

Soma – Die Fortsetzung


An diesem Tag wurden wir Zeugen eines Wunders gambianischer Bürokratie.


Teil Eins: der zuständige Beamte, der "die ganzen Schlüssel für alle Papiere" hatte, war an diesem Tag anwesend, obgleich er schon im Weggehen begriffen war, als wir ankamen. Es war Viertel Zehn Uhr morgens und wir waren gerade noch rechtzeitig gekommen.


Teil Zwei: nach nur zwanzigminütiger Wartezeit wurden wir abgeholt und in ein Haus gebracht, wo wir die nötigen Papiere ausfüllten. Für die ID-Card wurden außerdem unsere Fingerabdrücke sowie ein Passbild benötigt. Dies alles nahm etwa eine Viertelstunde in Anspruch.


Teil Drei: Nun wurde uns beschieden, etwa eine Stunde vor dem Immigration Office zu warten. Dann seien unsere alien's ID-cards abholbereit. Für gambianische Verhältnisse ist das schon extrem wenig; andere Zivis hatten mehrere Stunden auf ihre ID-card warten müssen oder mussten am folgenden Tag noch einmal kommen. Wenn man allerdings in der brütenden Sonne warten muss, dann kann einem auch eine halbe Stunde wie eine Ewigkeit erscheinen. Doch schon nach 35 Minuten wurden wir abgeholt und wir fuhren mit dem Toyota ein paar hundert Meter zu dem Büro von Gamtel, d.i. neben Africell der andere große Telekommunikationsanbieter in Gambia. Dort gab es Strom, der zum Einschweißen der Papier-ID-Karten in Plastik nötig war. Nachdem weitere 20 Minuten verstrichen waren, die wir allerdings im Schatten zubrachten, bekamen wir unsere fertigen alien's ID-Cards ausgehändigt.



Eine solche ID-Card gilt bis zum Ablauf des Kalenderjahres und muss somit bei Jahresbeginn neu erstanden werden. Das ist deshalb so, weil die Ausstellung einer alien's ID-Card jeweils 1500 Dalasis kostet plus 10 Dalasis Materialkosten, d.h. die jährliche Auffrischung ist lediglich ein Mittel der "Kapitalbeschaffung" für die öffentlichen Kassen. Benötigt wird die ID-Card lediglich bei Militärkontrollpunkten, und auch nur dann, wenn der Wache schiebende Soldat Gefallen daran hat, sich aus dem Schatten zu erheben und deine Papiere zu kontrollieren. Dann tritt die alien's ID-Card an die Stelle des Reisepasses; dieser wurde bei mir erst ein einziges Mal kontrolliert, aber nur weil ich eine Anweisung eines Soldaten missverstanden hatte und ich - statt anzuhalten - langsam weitergefahren war.


Damals hatte er geglaubt, ich wolle seine Autorität untergraben, worauf er mir die Wagenschlüssel abnahm und eine fünfminütige Standpauke hielt von der ich nur die Hälfte verstand, weil er so schlecht Englisch sprach. Als er bemerkte, dass ich ihn kaum verstand, fragte er mich, ob ich überhaupt Englisch könne, worauf ich, um ihn nicht noch mehr in Rage zu bringen, antwortete: "Just a bit". Als er sein Mütchen ein wenig abgekühlt und meinen internationalen Führerschein gecheckt hatte, gab er mir schließlich den Autoschlüssel zurück. Nachdem er uns noch ermahnt hatte, zukünftig allen army stops den gebührenden Respekt entgegenzubringen, konnten wir unsere Reise fortsetzen.


Prinzipiell muss man die Papiere immer mit sich führen und bereit sein sich auszuweisen, so wie das in Deutschland ja auch der Fall ist. Ebenso ist auch jeder Polizist ermächtigt, deine Personalien zu checken. In der Praxis wird davon jedoch so gut wie keinen Gebrauch gemacht, zumal unser Toyota auf den Routen, die wir häfiger befahren (nach Soma, Sibanor und Somita), schon bekannt ist und die Polizisten an den police stops uns durchwinken, so lange wir unsererseits ebenfalls freundlich lächeln und winken.


Zurück im Camp


Der Nachmittag war geprägt von Lesen, Dösen und Mandinka lernen. Nach Sonnenuntergang setzten heftige Regenfälle ein und es regnete bis in die frühen Morgenstunden.