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Montag, 14. Juli 2008

Di, 12. Juli 2005

Um 20:00 des Vorabends waren wir abgeflogen. Unser Flug sollte 8 Stunden dauern, so dass wir um 5:00 morgens (eine Stunde Zeitverschiebung!) in Amsterdam ankommen sollten. Unterwegs legten wir einen Tankstopp in Malaga, Spanien ein.


Da der Flug mitten in der Nacht stattfand, versuchten wir zumindest einen Teil der Zeit zum Schlafen zu nutzen. Das war aber gar nicht so einfach, da der Flug ein Billigflug im Wortsinn war, und in unserem Flugpreis von 250 Euro je Nase wirklich NUR der Flug enthalten war — jedoch keine Wolldecken, die wir hätten gebrauchen können als wir uns in großer Höhe befanden und es in der Kabine doch ein wenig abkühlte. Auch Essen war NICHT im Flugpreis inklusive - freundlicherweise wurden wir von unserer Nebensitzerin mitversorgt :-)


Gegen 5:00 in der Früh landeten wir in Amsterdam. Dort verabschiedeten wir uns von unserer neuen Freundin und wurden von Pauls Vater abgeholt. Auch Pauls Geschwister hatten es sich nicht nehmen lassen, Paul (und mich) in Amsterdam am Flughafen abzuholen. Gemeinsam machten wir uns in ihrem Familienbus auf den Rückweg. Als wir uns Baden-Württemberg näherten, rief ich zu Hause an und gab meinem Vater das vereinbarte Signal, dass er sich nun auf den Weg machen könne.


Auf einem Parkplatz im Nordwesten Baden-Württembergs trafen wir uns. Ich lud mein Gepäck um, dann trennten sich auch die Wege von Paul und mir. Nachmittags war ich zu Hause: mein Zivildienst im Ausland war zu Ende.

Mo, 11. Juli 2005

Der Vortag war der letzte, für den ich mir Aufzeichnungen gemacht habe. Deshalb kann ich den aktuellen Tag nur noch aus meiner Erinnerung schildern.


Am Nachmittag fuhren Paul und ich zum Flughafen. Dort angekommen erbot sich uns gleich einer der Einheimischen als Begleiter. Mit den Erfahrungen der Anreise im Hinterkopf nahmen wir dankend an.


Während wir warteten, kamen wir ins Gespräch. Wir erzählten ihm, dass wir Lehrer aus Massembe seien. Daraufhin sagte er, dass er aus Soma komme, was ja ganz in der Nähe von Massembe liegt. Ab diesem Zeitpunkt herrschte ein freundschaftliches Verhältnis zwischen uns – ähnlich wie zwischen guten Nachbarn.


Und wir profitierten direkt von unserer neuen Beziehung: er markierte unsere Koffer mit einem bestimmten weißen Kreidesymbol, worauf hin unsere Koffer ohne weitere Prüfung durch die Kontrolle gelangten. Das freute uns, weil wir durch unsere Souvenirs eigentlich ordentlich Übergepäck gehabt hätten :-)


Dann verabschiedeten wir uns von unserem neuen Freund und gingen an Bord. Wir saßen in einer Dreierreihe auf der linken Flugzeugseite. Paul bekam den Platz am Fenster, ich den daneben, und den Platz neben mir (den Platz am Gang) belegte eine junge, weiße Frau. Ob sie wohl eine Deutsche war? Um das herauszufinden wechselte ich einige Worte mit Paul auf deutsch. Und siehe da: prompt wandte unsere Nachbarin sich auf Deutsch an uns und wir stellten uns kurz vor :-)

Mittwoch, 9. Juli 2008

Sa, 09. Juli 2005

Pünktlich um 8:00 verliesen wir das Camp. Hermann und der senegalesische Pfropfer fuhren vorn im Mitsubishi, während Samuel Manneh, Paul, Jay Jay und ich uns auf der Rückbank quetschten.


In Kundung legten wir den ersten Zwischenstopp ein. Allerdings nur einen Kurzen, um sich von Allen zu verabschieden und ein letztes Gruppenbild zu machen. Dann ging es weiter.



Um 9:00 passierten wir den police stop in Kwinella. Eine Stunde später langten wir in Bwiam an. Dort brachten wir den Pfropfer bis zu seinem Compound, und wollten dann bei Zill und Yama vorbeischauen. Zill war jedoch auf der Jagd und Yama auf dem Markt, so dass wir nach einem sehr kurzen Gespräch mit John unverzüglich weiter fuhren. Da der Pfropfer ausgestiegen war, saßen wir jetzt nicht mehr wie die Ölsardinen aufeinander – jeder hatte einen eigenen Sitzplatz!


Der nächste Zwischenstopp war Sibanor. Weil gerade Wochenende war, herrschte dort praktisch kein Betrieb, so dass Hermann sein Bein im Nu gecheckt bekam. Vor ein, zwei Tagen war ihm nämlich im Workshop die Flex entglitten und in seinen rechten Oberschenkel gefahren. Es war jedoch nur eine Fleischwunde, die hoffentlich bald verheilt sein würde.


Eine Viertelstunde später waren wir bereits wieder unterwegs. Punkt 11:00 fuhren wir in Somita auf das Campgelände. Der Abschied von Bahs war ebenso kurz wie die vorangegangenen Aufenthalte.



Um 11:40 kamen wir zu der Stelle, wo die schlechte Main Road auf einen Schlag in eine geteerte Straße übergeht. Zwanzig Minuten später waren wir bereits in Kombo. Um 12:40 fuhren wir am Flughafen vorbei, und nach weiteren 40 Minuten erreichten wir Pipeline, das WEC Hauptquartier in Serrekunda.


Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, machte Hermann sich auf den Weg um seine Besorgungen zu erledigen. Paul fuhr mit Samuel Manneh nach Bakau um noch ein paar Souveniers zu erstehen, und JJ und ich zogen los in Richtung Serrekunda Market mit dem gleichen Ziel.


Am Abend wurden wir von Hermann zum Essen eingeladen. Bei Luigi's liesen wir uns zu viert zwei Riesenpizzen schmecken, begleitet von einem Rotwein und abgerundet mit einer Portion Eis. So gut und so teuer hatten wir schon lange nicht mehr gegessen ...


Montag, 30. Juni 2008

Do, 30. Juni 2005

Jagen und anderer Sport


Gegen 8:15 ging Jay Jay jagen. Eine Viertelstunde eher hatten wir mit dem Sports Day begonnen. Für die Students standen fünf Disziplinen auf dem Programm: Ballweitwurf, Hoch- und Weitsprung, sowie das Laufen einer Kurz- und Mittelstrecke. Um das Erste kümmerte sich Judy, die nächsten beiden Disziplinen waren Pauls Sache; Tom assistierte ihm. Für die Laufdisziplinen waren Nano und ich verantwortlich.


Die Kinder wurden in fünf Gruppen eingeteilt: Amie, Fatou, Kumba und Mariama bildeten die Gruppe der small girls. Die middle girls waren Esther, Kombe, Mariatou, und Martha. Awa, Emily, Mary, und Matty waren die big girls. Sanno war auf Grund ihrer Fußverletzung nicht aktiv am Geschehen beteiligt. Die größte Gruppe bildeten die small boys mit Alpha, David Gomez, Louis, Moses und Nkuke. Alex, David Mendy, Daniel und Job bildeten die letzte Gruppe, die big boys.


Die ersten beiden Gruppen, die bei uns die Laufdisziplin absolvierten, waren die big und die middle girls. Danach kamen die small boys an die Reihe. Die waren richtig schnell unterwegs, und Alpha und Nkuke lieferten sich ein Fotofinish auf der längeren Distanz. Als letzte waren die big boys und die small girls unterwegs.


Fatou kam völlig außer Atem ins Ziel. Im Ziel konnte sie nicht mehr und fiel weinend zu Boden. Erst dachte ich, sie hätte sich eben nur total verausgabt, aber wie sich später zeigte, war das nur ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil war, dass die aufziehende Regenzeit einen Asthmaanfall begünstigt hatte, der ihr die Luft genommen hatte. Trotz allem hatte sie sich durchgekämpft, und war kurz nach Kumba ins Ziel gekommen.


Alle Kids waren die gleiche Distanz gerannt. Als ich die Zeiten verglich, stellte ich mit Verwunderung fest, dass die kleinen Mädels auf der Langstrecke am schnellsten unterwegs gewesen waren, gefolgt von den kleinen Jungs. Kaum zu glauben, aber wahr: Kumba und Fatou waren die schnellsten Kids des ganzen Camps!


Bereits nach einer Stunde waren alle Kids bei der Laufstation gewesen, so dass Nano und ich Schluss machen konnten. Eine weitere Stunde später waren schließlich auch Paul und Tom an den Sprungstationen soweit, und es gab eine Pause bis 10 Uhr.


die Examina


Anschließend ging es weiter mit den Tests in Bible Studies, English und Math – und zwar in dieser Reihenfolge. Für jedes Level (1 – 5) hatten wir ein Examen ausgearbeitet bzw. kopiert; ich in Bible Studies, Judy in English, und Paul in Math.


Die Ergebnisse waren durchwachsen. Am Besten schnitten die Students noch in Bible Studies ab, weil sie hierzu die Bibel benutzen durften: nur vier erreichten weniger als 80 Prozent, und von den restlichen achtzehn hatten dreizehn 100 Prozent. In Englisch und Math lag die "Durchfall-Quote" bei rund 50 Prozent, und es gab insgesamt nur sechs Hundertprozentige. Die Testergebnisse dienten jedoch nur einer allgemeinen Wissenserhebung, und waren in keiner Weise versetzungs- oder sonstig relevant. Allerdings ist es schon erschreckend, wie teilweise einfachste Aufgaben nicht gelöst werden können; ja, Einer kann noch nicht einmal ausreichend lesen ...


der Nachmittag


Nach der Andacht gab es eine Kurzbesprechung mit Judy, an die sich ein erstes Aufräumen der Schule anschloss. Die offices der Schüler wurden gelehrt, und alle PACEs und sonstigen Arbeitsmaterialien verstaut. Damit wurde ich bis zum Abend fast fertig.


Campfire



Das Programm um das Lagerfeuer war zweigeteilt. Im ersten Teil gab es Lieder und die Andacht. Der zweite Teil bestand aus den abschließenden Ehrungen sowie der Zeugnisausgabe. Zunächst gab es für jeden Schüler so viele Kekse, wie er seit den Osterferien PACEs beendet hatte. Für 100-prozenter gab es bessere Kekse.


Dann durfte ich die Auswertung des Sports Days und Ehrung der besten Sportler vornehmen. Im Einzelnen waren das Amie (Langstrecke), Fatou (Kurz- und Langstrecke), Kombe (Kurzstrecke), Kumba (Hochsprung und Langstrecke), Mary (Kurzstrecke, Weitwurf, Hoch- und Weitsprung), Alpha (Langstrecke), David Mendy (Weitsprung), Daniel (Kurzstrecke und Weitwurf), Job (Hoch- und Weitsprung), Moses (Kurz- und Langstrecke), und Nkuke (Langstrecke, Hochsprung, Weitwurf).


Danach wurden in drei weiteren Disziplinen die Auszeichnungen für den besten Schüler bzw. die beste Schülerin vergeben. In der Disziplin "SchülerIn mit den wenigsten Demerits" schnitt Awa Manneh am Besten ab: im Verlauf des ganzen Schuljahres hatten sich bei ihr lediglich neun angesammelt. Die Auszeichnung für die meisten beendeten PACEs (77) sowie den höchsten Durchschnitt (98,6 %) gingen beide an Kumba Manneh.


Nach der abschließenden Zeugnisausgabe ging es für alle Kinder ins Bett, denn schon um 6:00 am nächsten Morgen sollte es mit dem Truck nach Soma, und von da aus mit einem Gelle Gelle Richtung Kombo bzw. Farafenni gehen.


UNO Abend


Da auch Sabadou und Ina am kommenden Morgen fahren würden, war an diesem Abend eine letzte UNO-Runde gewissermaßen Pflicht. Neben Sabadou, Ina und Ballamoussa konnte aber nur ich mich noch zu einer UNO-Runde aufraffen. Paul und Jay Jay waren zu müde bzw. tired of playing UNO. Und wenn man Eines über diese Runde sagen kann, dann dass Ballamoussa sie dominierte. Von den 17 Runden, die wir spielten, gewann er 8, davon 4 in einer Reihe. Wir anderen teilten uns die verbleibenden 9 Male brüderlich.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Sa, 11. Juni 2005

Ereignisreicher Off-Day


Um Acht Uhr war bereits das ganze Camp auf den Beinen; außer Paul, der war immer noch krank. Als ich um 8:15 das Tor öffnete, strömte noch einmal ein gutes Dutzend Leute und ein großer Traktor auf das Camp. Man kann wirklich sagen, es war was los.


Ich nutzte den Vormittag dazu mich auf die Examsarbeit am Ende des Schuljahres vorzubereiten. Oder besser gesagt, ich bereitete meinen Teil der Examensarbeit vor. Wenn man es sich genau überlegt, wird das Examen sowohl von den Schülern als auch von den Lehrern geschrieben; diese arbeiten es aus, und jene schreiben den Test.


Dadurch dass die ganzen big boys aus Kombo mit ihren Freunden gekommen waren, hatte Hermann heute jede Menge Arbeitskräfte zur Verfügung. Drei von unseren Jungs ausgenommen, die zum Wässern der Camp Pflanzen eingeteilt wurden, wurden alle anderen in den Garten abkommandiert; der musste vor dem Besuch des Präsidenten noch ein wenig bearbeitet und hergerichtet werden.



Kurz nach Elf bin ich dann auch raus in den Garten, aber nicht mit einer hoe bewaffnet, sondern mit meiner Kamera.


Ein traumhafter Jagdausflug


Kurz nach dem Mittagessen machte sich JJ bereit zum Jagen. Kurzentschlossen bewaffnete ich mich wieder mit meiner Kamera und ging auch mit. Mit JJ, den Kombo Boys und Ivon, dem Koreaner waren wir eine bunte Truppe.



Dem kleinsten der Kombo Boys schien es Massembe und der Jagdausflug richtig angetan zu haben. Auf der Fahrt zum Jagdgebiet wandelte er hinten auf dem Toyota stehend ein bekanntes Sonntagsschullied kurzerhand ab: When you're happy in Massembe clap your hands! When you're happy in Massembe clap your hands ... und er klatschte in die Hände.


Die Jagd war ein voller Erfolg. Schon nach sehr kurzer Zeit hatten wir die Affen gefunden. JJ schoss zwei schwarze Affen von einem Baum und direkt auf dem Baum daneben saß ein weiterer mit einem Affenbaby. Ich bat JJ, mich doch auch mal schießen zu lassen, und er tat mir den Gefallen. Er zeigte mir kurz, worauf ich beim Zielen zu achten hatte, und es gelang mir tatsächlich den Affen zu schießen. Das Jungtier hatte ich nicht getroffen, was wohl mehr Glück als Verstand war, weil ich ja mit einem Schrotgewehr geschossen hatte.


Nun hatten wir bereits drei große Schwarze Affen erlegt. Da die big boys aber ordentlich Fleisch mit nach Kombo nehmen wollten, beschlossen wir noch ein oder zwei weitere Affen zu schießen. Nur kurze Zeit später hatten wir den nächsten Affen in einem Baum ausfindig gemacht und JJ schoss.



Er traf ihn auch, aber nicht tödlich, so dass der Affe sich oben im Baum halten konnte. JJ beschloss auf dem Baum zu klettern und den Affen runterzuholen, weil er keine weitere Patrone verschwenden wollte. Er erreichte ihn aber nicht, weil der Affe auf einem Ast zu weit draußen saß, und so musste er unverrichteter Dinge wieder umkehren. Auf dem Weg nach Unten riss er sich seine Hose an der Baumrinde auf, so dass er, als er unten ankam, einen Riss in der Hose hatte, der wie ein halber Meter langer Hosenladen aussah. Wir lachten und meinten, dass das aber nicht mit der Kleiderordnung auf dem Camp zu vereinbaren sei.



Mit einer weiteren Bullet holte JJ den Affen vom Baum und mit einer Ausbeute von nunmehr 4 großen Schwarzen Affen traten wir den Rückweg an. Beim Auto angekommen stellten wir fest, dass das Vorderrad auf der Fahrerseite platt war. Aber JJ, der inzwischen Übung im Reifenwechseln hatte, und Wuje wechselten das Rad im Handumdrehen. Dann machten wir uns auf den Heimweg. Es war noch nicht einmal Viertel Vier.



Im Camp angekommen machten sich die Kombo Boys umgehend daran die Affen auszunehmen. Sie arbeiteten derart schnell, dass sie – nachdem ich das Gewehr ins Zivihaus gebracht hatte – bereits mit dem ersten Affen fertig waren und an Numero Zwei und Drei arbeiteten.



Die Fleischverteilung sah dann so aus: ein Affe würde an Miss Hong gehen, zwei würden die Kombo Boys mitnehmen und den letzten würden wir hierbehalten.


Um Viertel Fünf machten sich Miss Hong und ihre Koreanischen Short Termer auf den Rückweg nach Kombo. Beinahe hätten sie die drei Mädels hier vergessen, die mit ihnen gekommen waren. Der Geländewagen war schon beim Gate, als die Mädels aus dem Main House kamen und Hermann ihnen zurief: "Run, run!"


Dauda und die Kombo Boys machten sich eine Viertelstunde später auf den Weg. Sie kündigten jedoch an zum Besuch des Präsidenten zurück zu kommen, so dass wir sie wohl schon in vier, fünf Tagen wiedersehen werden; und Miss Hong natürlich auch.



Abendessen


Zum Abendessen war schließlich wieder weitgehend Normalität eingekehrt. Nachdem ich mit den Kids gegessen hatte, schaute ich noch im Main House vorbei um für Paul eine Portion Abendessen abzuholen. Als das erledigt war, fragte ich Hermann ob ich am kommenden Freitag mit den Schülern des LLC einen Field Trip zum Fluss machen könnte. Er meinte, am Donnerstag sei ja der Besuch des Präsidenten, so dass wir den Freitag wohl zum Aufräumen würden benutzen müssen. Der Field Trip wird sich also mindestens um eine Woche verschieben.


Unterdessen wartete eine schwangere Frau vor dem Main House. Nach eigenen Angaben war sie zwar erst im 7. Monat schwanger, aber sie blutete bereits so stark, dass Judy sie nach Soma ins Krankenhaus fuhr. Betty erzählte uns, dass das bereits ihre zweite Schwangerschaft nach einem Unfruchtbarkeitseingriff sei, und dass sie schon bei der Ersten fast gestorben sei. Vielleicht solle sie sich langsam mal Gedanken machen, ob sie nicht den Spezialisten in Bwiam aufsuchen wolle ...



Fun Evening


... oder besser gesagt Film Evening; Nano zeigte Beyond the next Mountain. Der Film handelt von einem Eingeborenen aus einem Stamm im Nordwesten Indiens, der für seinen Stamm die Bibel aus den Ursprachen übersetzt.

Mittwoch, 21. Mai 2008

Sa, 21. Mai 2005

Gott sei Dank


... regnete es in der Nacht. Dadurch war der Morgen angenehm kühl und der ganze Tag versprach nicht allzu heiß zu werden.



Das fängt ja gut an ...


Nach dem Frühstück war für mich Dienstantritt um halb Acht. Um diese Zeit sollte ich mit dem Toyota nach Kundung fahren um Seal und Lamin sowie ein paar Gäste abzuholen. Die restlichen Leute würde JJ später mit dem Truck abholen. Doch nach etwa einem Kilometer konnte ich mit dem Gaspedal auf einmal kein Gas mehr geben, das Auto ging aus, wurde langsamer und blieb stehen. Halbherzig versuchte ich neu zu starten, weil ich genau wusste, dass es hoffnungslos war. Heute morgen hatten wir das Auto auch nur durch Anschieben zum Laufen gebracht.



Also zog ich den Schlüssel ab und trabte so schnell es ging zurück zum Camp. Hermann war gerade beim Tor, so dass ich ihn nicht lange suchen musste. Als ich ihn aufgeklärt hatte, warum ich jetzt schon und ohne Auto zurück kam, meinte er, dann solle der Truck eben sofort fahren. JJ musste aufstehen und sich fertig machen.


Unterdessen kamen einige der Kombo Big Boys vom Boys House in unsere Richtung. Hermann wandte sich an Saidou und fragte ihn, ob er flexibel sei. Die gleiche Frage wie am Vortag zu mir. Saidou bejahte natürlich, und so durfte er sich den Traktor schnappen, und mit mir und einem Abschleppseil zum Toyota fahren.


Dort angekommen versuchten wir zunächst ihn einfach durch Abschleppen zu starten. Das klappte auch, aber nach wenigen Metern ging er wieder aus. Wir zogen ihn nochmals an, aber diesmal wollte Saidou den Toyota fahren; er wollte sich wohl selbst überzeugen. Doch schon nach wenigen Sekunden ging auch bei ihm die Karre aus. Einfach so. Also blieb uns nichts Anderes übrig, und wir schleppten den Toyota ab ins Camp. Dort waren gerade alle mit dem Frühstück fertig, und schenkten uns beiden die volle Aufmerksamkeit. Toll.


Letzte Vorbereitungen



Alle arbeiteten an den letzten Details, die noch vorbereitet werden mussten. Ich säuberte das Zivihaus noch ein wenig während Paul seine Kamera vorbereitete. Auf Yamas Bitte hin würden wir nämlich möglichst die ganze Hochzeit filmen. Genug Filme hatten wir jedenfalls.



Die Hochzeit



Um 11:15 begann der Gottesdienst. Weil Pastor Modou auf Mandinka predigte, und aus Zeitgründen nur auf Wolof übersetzt wurde, bekam ich zwar nix mit, aber Hermann teilte mir später mit, dass Pastor Modou über die Stelle aus 1. Mose 3 gesprochen hatte, wo es über Eheleute heißt, dass sie "ein Fleisch" werden.



Außerdem bemühte er noch ein Beispiel, dass die Ehe nach Gottes Plan so sei, wie Sekundenkleb - untrennbar. Aber weil ich ja von alledem kein Wort verstand, widmete ich mich umso gewissenhafter der Aufgabe, die ich hatte: zu filmen.



Die ganze zur Kirche umfunktionierte Schule war voll mit Gästen; insgesamt waren an diesem Tag wohl zwei- oder dreihundert Leute hier, die meisten davon Muslime. Deswegen war es umso erstaunlicher, dass praktisch niemand den Saal verlies und alle sich die Predigt von Pastor Modou anhörten. Auch das eine Gebetserhörung.



Kurz nach 13:30 war der Gottesdienst beendet und schon eine Stunde später gab es Mittagessen. Was gab es wohl heute zu diesem besonderen Anlass zu Essen? - Richtig, die obligatorische Rice Bowl. Selbst das Brautpaar aß aus einer Bowl. Als ich das sah, fiel mir erst wieder ein, dass das ja das afrikanische Gericht ist, ohne das keine Mahlzeit vollständig und kein Afrikaner satt ist. Nun denn - es war genug für alle da.



Gegen 15:30 begann das Nachmittagsprogramm. Seal und Yama behielten ihre Plätze zwischen Metal & Wood Workshop und sahen und lauschten den Darbietungen, die ihnen zur Ehre dargebracht wurden.



Die Meisten davon waren musikalischer Art, doch es gab auch ein paar Reden. Die Mädels und ich hatten auch einen Beitrag; wir sangen "Above all Powers".



Danach war es Zeit fürs Photo Shooting.



Alle wollten und durften mit dem Brautpaar abgelichtet werden.



Die Bilder wurden aber nicht von einem Fotografen gemacht, sondern nur mit den persönlichen Kameras. Reicht ja auch.



Um 17:30 verabschiedete sich das Brautpaar vom Camp und wurde von Judy mit dem Mitsubishi nach Kundung gefahren. Dort wurde die Party fortgesetzt.



Damit die Brautleute nicht ohne Gäste feiern mussten, wurde der Truck bis oben hin voll gepackt und hinterher geschickt. JJ, der ihn fahren musste, meinte mit einem Augenzwinkern zu mir, er habe ja keinen Busführerschein ...! Er konnte aber ganz beruhigt sein. Schließlich gibt es zwischen Massembe und Kundung keinen Police Stop.


Trotzdem wir den Truck bis oben hin vollgepackt hatten, hatten doch nicht alle Gäste reingepasst. Immerhin waren alle Gäste, die nicht so viel mit dem Camp zu tun hatten, an Bord. Zurück blieben neben unseren boys & girls auch die Kombo Boys & Girls. Sie wollten zwar auch alle nach Kundung, aber bevor sie aufbrechen konnten, gab es erst noch etwas Anderes zu erledigen.


Aufräumen


Nun, da alle fremden Gäste weg waren, machten wir uns mit vereinten Kräften ans Aufräumen. Wir Jungs räumten die ganzen Bänke usw. wieder an ihre Plätze, und die Mädels säuberten die Schule.



Nach der Feier ist vor der Feier


Dann machten sich alle auf den Weg nach Kundung. An der Main Road wollten sie auf Transport warten, der sie nach Kundung bringen würde. Die Einzigen, die wieder zurück kamen, waren Paul und Alpha. Paul, weil er nicht warten wollte. Dabei kam kurz nachdem er gegangen war ein Gelle Gelle. Und Alpha war von seinen Kameraden ausgetrickst worden. Sie hatten ihn zum Wasserholen geschickt, und waren in der Zwischenzeit mit einem Gelle Gelle auf und davon nach Kundung gefahren. Dumm gelaufen :-)


15 Minuten vor Acht aßen die Wenigen, die nicht nach Kundung gefahren waren, im Main House zu Abend. Außer Paul, Alpha und mir waren das nur noch Klaasens, Judy, Sabadou sowie Pastor Modou und Sirifou mit ihren beiden Frauen. Zu Essen gab es Reis und / oder Kuchenkrümel. Wir Jungs entschieden uns für Letzteres, was in einem Becher Milch richtig ordentlich schmeckte.


Paul und Alpha verbrachten den Abend im Zivihaus. Ich war so groggy, dass ich nach der abendlichen Dusche wie ein Stein ins Bett fiel und ungeachtet der frühen Uhrzeit - es war erst 9:15 - bald einschlief.

Sonntag, 9. März 2008

Di, 08. März 2005

Spät in der Nacht des Vortages war Sabadou Gomez aus Kombo zurück gekehrt. Paul war auch wieder fit, und so konnten wir zur Abwechslung mal wieder einen Schultag in Bestbesetzung abhalten. Mit Matty, Martha, Buba und Alpha bearbeitete ich das lange brach liegende Feld "Literature", sprich ich kam mal wieder dazu mit ihnen ihre Bücher weiter zu lesen. Diese bis zu den Ferien abzuschließen ist jedoch hoffnungslos. Zu schlecht ist noch das Leseverständnis und viel zu kurz die Zeit, die ich pro Schüler und Woche im besten Fall aufbringen kann: eine halbe bis eine ganze Stunde die Woche. Nur ein sehr geringer Prozentsatz unserer Schüler ist momentan im Stande ein Buch selbstständig zu lesen, zu verstehen was gelesen wurde, und die begleitend gestellten Fragen zu beantworten.



Tag der Emotionen


Gleich mehrere Ereignisse trugen heute dazu bei, dass unterschiedliche Emotionen geweckt wurden.


1) Mary Mendy


Da waren zum Beispiel Mary und Kombe. Als ich um 7:40 das Zivihaus in Richtung Schule verlies, sah ich die beiden auf dem Mäuerchen vor dem Main House sitzen. "Die warten wohl auf jemanden", dachte ich, und grüßte sie fröhlich. An ihrer verhaltenen Antwort merkte ich jedoch, dass irgendwas nicht stimmte, und dass sie hier wohl auf der "Strafbank" saßen. Sie kamen den ganzen Vormittag über nicht zur Schule.


Gegen Abend erfuhr ich von Hermann, dass die Sache, für die sie auf der Strafbank saßen, sich schon am Vorabend ereignet hatte; es waren noch andere Kids beteiligt gewesen, aber außer den beiden hatten sich inzwischen schon alle entschuldigt. Kurz nach dem Abendessen schien sich der Fall aufzulösen. Mary und Kombe hatten sich inzwischen bei allen entschuldigt - außer bei Sabadou. Als Hermann sie fragte, warum sie sich denn nicht bei Sabadou entschuldigen wollten, entgegnete ihm Mary, sie spreche für gewöhnlich nicht mit Sabadou ...!


In der Computer Class teilte Hermann den boys und mir mit, dass Mary am nächsten Tag von Judy nach Hause gebracht werden würde — sie ist bis auf weiteres von der Schule suspendiert. Über eine etwaige Suspendierung Kombes wollte Hermann in der Nacht nachdenken.


2) Judy



In der zweiten kleinen Pause rügte mich Judy, warum ich denn ihre Supervisor Flaggen beantworten würde, wenn ich gerade nicht mit den Kindern lese. Wenn ich nicht ausgelastet wäre, dann könnte sie mir noch Arbeit in Form von Word Building und Math Class beschaffen. Dabei hatte sie mich vor einigen Tagen gebeten mir bei der Beantwortung zu helfen! Diese und andere Sachen gingen mir die ganze Siesta im Kopf herum, so dass ich nicht zur Andacht kam. Um 16:00 ging ich wie gewohnt zur Schule, um meine nachmittägliche Arbeit zu tun. Da teilte Judy mir mit, dass sie am folgenden Tag schon um Sechs abfahren würde, und nicht erst nach der Schule. Ich würde also für zwei Tage komplett für die Schule verantwortlich sein! Und das, obwohl sie noch am Vormittag ein Problem damit hatte, dass ich ein paar Supervisor Fähnchen beantwortet hatte! Das verstehe, wer will ...


3) Paul Mendy


Alle paar Tage oder Wochen juckt den Einen oder Anderen der Schüler das Hinterteil, und sie testen aus, wie weit sie sich uns widersetzen können. Heute war Paul an der Reihe. Nach der großen Pause rief ich wie gewöhnlich allen Schülern zu, dass es jetzt wieder Zeit sei reinzukommen und weiterzuarbeiten. Paul, der mit ein paar anderen boys im Schlepptau und einem Tennisball am Fuß seine Dribbelkünste unter Beweis zu stellen versuchte, schien jedoch nichts zu hören. Schließlich, nach mehrfacher Aufforderung, reagierte er - provokativ. Er kickte den Tennisball nämlich genau in die entgegengesetzte Richtung, in die er gehörte, und machte sich auf den Weg zur Schule. Ich rief ihm zu, er solle den Ball schnappen, und ihn aufräumen. Er wisse nicht, wo der hingehöre, kam die Antwort. Doch nachdem Nkuke es ihm mitgeteilt hatte, behauptete er, es immer noch nicht zu wissen.


Der Fall war klar: er wollte mich tatsächlich vor den Augen seiner Mitschüler zum Narren halten! Ich holte Nano Manneh, und schickte die restlichen Schüler zurück in die Schule. Dann klärten wir Pauls Fehlverhalten in einem 6-Augen-Gespräch. Da seine Einsicht nicht sonderlich groß und ihn sein Hinterteil immer noch zu jucken schien, verabreichte ich ihm zwei Stockstreiche. Anders als Buba kann sich Paul aber nicht gut zusammennehmen; schon vor dem ersten Streich fing er an zu weinen. Danach wies ich in an, sich vor der Schule hinzusetzen, bis er mir etwas zu sagen habe. Dann konnte er mich rufen; ich war nämlich ebenfalls vor der Schule, um mit Buba Literature zu lesen.


4) Pa Samba


Während wir lasen, und Paul noch da saß, kam Pa Samba, ein Einheimischer, auf uns zu. Er bat uns um Hilfe, um Stroh vom Wellblechdach des Lamin Bah Hauses zu holen, das er seinem Pferd zum Fressen geben wollte. Hermann habe es ihm erlaubt. Da ich nicht wusste, wo Hermann war, und wo ich Rückkopplung finden konnte, beschloss ich ihm zu glauben. Also wies ich Paul an, ihm zu helfen. Buba und ich lasen in der Zwischenzeit weiter. Kurze Zeit später kam Hermann aus der Schule; zur Sicherheit fragte ich nach, und da stellte sich heraus, dass Hermann von alledem nix wusste. Pa Samba hatte mich also rotzfrech belogen. Während Paul wieder runter vom Dach kam, schirrte Pa Samba sein Pferd an, und sah zu dass er vom Compound kam.


Wiederum kurze Zeit später kam Paul zu mir und entschuldigte sich. Wir beteten zusammen, dann durfte er wieder in die Schule und weiterarbeiten. Über sein Verhalten wird Judy aber seine Mutter informieren, wenn sie seine Schwester Mary morgen nach Hause bringt.



Geburtstag


Gerade war die Schule zu Ende, und JJ von der Arbeit gekommen, als Hermann den Kopf zum Zivihaus herein steckte und verkündete, dass eine Frau in den Wehen liege und schnellstens nach Soma ins Krankenhaus gebracht werden müsste. Da sie sowieso noch je zwei Passbilder machen lassen mussten, übernahmen Paul und JJ den Job. Um das Risiko einer Niederkunft im Auto so gering wie möglich zu halten, fuhren sie nicht auf der Löcher übersähten Hauptstraße, sondern nahmen den Schleichweg hintenrum. Sie kamen noch rechtzeitig zur Entbindung ins Krankenhaus; abends ging es der Frau offensichtlich schon wieder so gut, dass sie bei Hermann anrief, und sagte, sie könne nun wieder abgeholt werden. Da kannte sie aber Hermann schlecht — der Toyota ist schließlich kein Taxi ...

Montag, 18. Februar 2008

Fr, 18. Feb. 2005

Seit 40 Jahren unabhängig!


Statt, wie versprochen, um 6 Uhr kam der Fahrer erst kurz nach halb Sieben. Wir waren um kurz vor Fünf aufgestanden, und alle um halb sechs abfahrtbereit gewesen. So, anstatt dass er eine halbe Stunde auf uns gewartet hätte, wofür er im Übrigen bezahlt wurde, mussten wir mehr als eine Stunde auf ihn warten. Nach Banjul braucht man in der Regel zwei Stunden, und wir hatten Angst, keine Plätze mehr zu bekommen, wenn wir zu spät eintreffen würden. Diese Sorge sollte sich später als unbegründet heraus stellen.



Von Serrekunda aus nach Banjul kamen uns immer wieder Eskorten entgegen, die vermutlich wichtige Gäste vom Flughafen abholen sollten. Diese Eskorten fahren prinzipiell immer in der Mitte der Straße, und wer nicht rechtzeitig auf den Standstreifen ausweicht, riskiert einen ernsten Unfall mit dem in einem hohen Tempo heranpreschenden, und die ganze Fahrbahnbreite einnehmenden Konvoi. Dem ersten Konvoi konnte Judy gerade noch ausweichen, so dass sie bei den anderen mehr auf der Hut war.


Als wir gegen Acht Uhr beim Stadion eintrafen, war noch vergleichsweise wenig los. Es waren noch kaum Zuschauer da, und auf der Tribüne und in der VIP-Lounge herrschte noch gähnende Leere. Nachdem wir einen Platz in einem Pavillion direkt gegenüber der VIP-Lounge auf der anderen Seite des Fußballfeldes zu unserem Ausgangspunkt gemacht hatten, machte ich mich auf die Suche nach den Passagieren des Gelle Gelles. Wir waren nämlich nicht im Konvoi gefahren, sondern wollten uns lediglich irgendwo im Stadion wieder treffen. Ich hatte Glück, und fand sie sofort, oder besser gesagt, die Kids sahen mich. Ich brachte sie zu unserem Ausgangspunkt, und nach einer Weile fand sich auch Paul ein, den das Gelle Gelle nach uns auf die Suche geschickt hatte.


Um 9:15 wurde über Lautsprecher angekündigt, was an diesem Tag alles auf dem Programm stand. Ab 9:45 sollten die verschiedenen geladenen Gäste kommen, darunter vier Präsidenten aus befreundeten Staaten wie dem Senegal und Guinea Bissau. Nach diesen sollte der gambianische Präsident Yahya Jammeh eintreffen.



Wohl um seine Wichtigkeit zu unterstreichen, kam der mit einer kleinen Verspätung, und drehte dann in Siegerpose eine richtige Ehrenrunde um das ganze Fußballfeld. Die Gambianer feierten ihn, doch einer der Gambianer meinte zu mir, er sei ein richtiger Dressman.


Zwischendurch gab es eine Menge Paraden von allen möglichen militärischen, paramilitärischen und sonstigen organisierten Verbänden. Einmal schoßen die Soldaten drei Salven Salut, und immer mal wieder gaben eine oder mehrere Kanonen eine Salut-Salve ab.



Unter den Zuschauern drehten Scharlatane ihre Runden, die sich furchteinflösend verkleidet hatten und "Kunststücke" vorführten, für die der geneigte Zuschauer doch bitte sein Scherflein geben sollte. Zu ihrem Reportoire gehörte das Essen von Rasierklingen, oder dass sie nicht verletzt wurden, wenn sie sich mit Rasierklingen ritzten; einer steckte sich sogar einen 10 Zentimeter langen Eisennagel bis zum Anschlag in ein Nasenloch. Ich glaube, dass dahinter nicht nur bloße Tricks stecken, sondern dass sie mit schwarzen Mächten in Verbindung stehen. Denn anders kann ich mir vor allem letztgenannten "Trick" nicht erklären, habe ich doch den Nagel im Nasenloch stecken sehen. Die Kinder hatten auch ordentlich Angst vor diesen Typen, was einige der kleinen Jungs jedoch nicht davon abhielt, ihnen hinterherzulaufen, so dass sie immer eine Traube von Kindern hinter sich herzogen.


Gegen ein Uhr war der "offizielle" Teil der Feierlichkeiten vorbei, und die Speicherkarten meiner Digicam fast voll. Die allermeisten offiziellen Gäste sowie ein Großteil der Besucher machte sich auf den Heimweg und die Sicherheitsstufe wurde bedeutend reduziert. In Folge dessen konnte man nun den Rasen betreten, und sich bis auf wenige Meter der VIP-Tribüne mit dem Präsidenten nähern. Der blieb nämlich noch für die weiteren Feierlichkeiten. Nach dem Einmarsch der gambiansichen Pfadfinder und vieler Schulen nach Verbänden geordnet, wurde vor der Ehrentribüne Präsident Jammeh zu Ehren ein buntes Programm abgehalten. Wenn die alte Ordnug beibehalten worden wäre, dass alle Zuschauer um das Fußballfeld herum Aufstellung nehmen, hätte nun jeder was gesehen. Doch da sich nun alles vor der Tribüne drängte, sahen wie zuvor wieder nur die Größten und diejenigen in der ersten Reihe etwas.



Irgendwann nach Drei Uhr verliesen wir das Stadion, und machten uns auf den Weg zu einem Restaurant, wo man günstig Reisgerichte kaufen konnte. Dort wollten wir bzw. in erster Linie die Kinder das Mittagessen einnehmen. Leider reichte der Vorrat der Restaurantküche nur noch für 10 Reisteller und 5 Brote. Wir beschlossen alles zu kaufen, was noch vorrätig war. Die Reisteller teilten die Boys unter sich auf, und die Brote wurden an fünf der Girls verteilt. Einige der Mädels gingen leer aus; sie sollte später etwas bekommen.


Nach dem Essen machte das Judy sich mit dem Toyota und einer Handvoll Mädels auf den Weg zu Sabadous Compound. Wir anderen fuhren mit dem Gelle Gelle derweil zum bungalo beach. Dort wollten wir uns später mit Judy treffen. Außer mir hatten noch ein paar der Jungs eine Badehose dabei, und wir gingen eine Runde baden.



Den Mädels hatte Judy nicht mitgeteilt, dass wir aller Voraussicht nach auch an den Strand gehen würden, und so hatte auch keines der Mädels irgendwelche Badeklamotten dabei. Manche wollten aber partout schwimmen, so dass sie sich von den Boys die Badeklamotten sowie einige T-Shirts ausliehen, und dann nach ihnen damit schwimmen gingen. An ein Handtuch hatte aber keiner der Boys gedacht, so dass sich alle Wasserratten mit den drei Handtüchern von Paul und mir begnügen mussten; irgendwie klappte auch das.


Als die Kinder genug vom Strand hatten, und manche zu Frieren anfingen, machten wir uns auf den Rückweg zum Gelle Gelle. Während wir dort auf Judy warteten, kaufte ich für die restlichen Mädels, die noch nicht gegessen hatten, je ein belegtes Brot. An dieser Stelle benahmen sich nun die Big Boys richtig unmöglich. Sie hatten jeder einen ganzen Teller voll Essen gehabt, und nun bettelten sie die sieben Mädchen, die noch nichts gegessen hatten, in einem fort an.


In der Zwischenzeit war Judy eingetroffen, und machte mit ihren Mädels noch einen kurzen Abstecher zum Strand. Danach fuhren wir zurück nach Somita, wo wir die Nacht verbrachten. Der Fahrer sagte, er wolle am nächsten Tag um Neun, Richtung Zehn Uhr aufkreuzen, und uns abholen. Wir waren gespannt, wann er wirklich kommen würde. Nach einigen vergeblichen Bemühungen von uns Leitern kehrte spät am Abend schließlich Ruhe ein.

Freitag, 4. Januar 2008

Di, 04. Jan. 2005

Kurz nach Mittag machte ich mich mit Flo, einem Rucksack voll dreckiger Wäsche und über 100 Euro auf in Richtung WEC. Als wir ankamen lief gerade ein Meeting. Also wuschen wir zunächst unsere Wäsche, und warteten dann auf der Dachterasse darauf, dass das Meeting zu Ende ginge, und wir bei Sabine Geld wechseln könnten.


Gegen halb Zwei war es schließlich soweit. Wir wechselten unsere vorletzten Euros in CFA um. Dann fragte Flo nach, ob nicht vielleicht eventuell noch ein klitzekleines Zimmer frei sei. Es war eines frei, und zwar bis zum 07. Januar. Wir beschlossen uns wieder einzumieten, und machten uns wieder auf den Weg zurück zur Adventistengemeinde. Die anderen nahmen die Freudenbotschaft, dass wir die nächste Nacht wieder bei WEC verbringen würden, mit Begeisterung auf. Wir beglichen noch unsere Rechnung bei den Adventisten, dann brachen wir unverzüglich auf.



Nun, da wir wieder ein richtig zivilisiertes Dach über dem Kopf hatten, brachen wir am Nachmittag zu unserer letzten Touristen-Tour auf, und zwar zur Ile de Goree, der ehemaligen Sklaveninsel.



Die Überfahrt kostete jeden 5.000 CFA (hin und zurück) und dauerte etwa 20 Minuten. Auf der Insel besichtigten wir alte Gebäude aus der Zeit der Sklaverei, ein Museum, eine Kirche mit zwei Davidssternen am Eingang und andere Sehenswuerdigkeiten. Damit meine ich weniger die unzähligen Händlerstaende, die überall am Wegrand stehen, und an denen man von Bildern, über Halsketten bis hin zu Bechern aus grossen Hörnern (oder doch Kunststoff...?) alles kaufen kann; nein ich meine eher die Befestigungsanlagen und Kanonen, mit denen das Eiland in früheren Zeiten verteidigt wurde, und die jetzt noch immer als Relikte über der Insel thronen.



Bei Einbruch der Dämmerung fuhren wir zurück. Es war inzwischen kalt geworden. In der Stadt (Dakar) ist das zwar nicht weiter schlimm, da die vielen Menschen, Gebäude und Autos genug Wärme produzieren; nachdem wir jedoch eine knappe Stunde am Strand auf die Fähre gewartet hatten, waren wir von der "frischen Brise" abgekühlt bis durchgefroren, so dass wir froh waren, als wir schließlich wieder bei WEC ankamen. Dort erfuhren wir von Erwin, dass der Streik der Gelle Gelle Fahrer schon heute beendet worden
sei, und wir, wenn wir gewollt und es gewusst hätten, schon heute hätten aufbrechen können.


Gut, blieb uns nur zu hoffen, dass sie am folgenden Tag nicht wieder streiken würden, so dass wir am Mittwoch weg kommen würden. Denn langsam wurde unser Geld knapp, und wir wollten auch nicht auf den letzten Drücker zurück kommen. Wir konnten nur beten, dass alles klappen würde.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Sa, 25. Dez. 2004

Grüppchenbildung


Nachdem wir "Worlds Apart - Teil 1" fertig geschaut hatten, bildeten sich kleinere Sitzgrüppchen, und es gab ein Mini-Lagerfeuer. Da der Vollmond schien, hatten wir die ganze Zeit über genügend Helligkeit um ohne künstliche Beleuchtung auszukommen. In den Sitzgrüppchen saß man zusammen und unterhielt sich, oder hörte zu; nebenher gab es Ataya.


Liederkreis


Um Halb Drei wurde unter Seals Leitung ein ein größerer Kreis gebildet. Eine Stunde lang sangen wir Lobpreis- und Weihnachtslieder. Jeder der wollte, durfte sich ein Lied wünschen bzw. anstimmen. Ein oder zwei der Jungs begleiteten uns auf den Trommeln, und der Rest klatschte zur Begleitung in die Hände.


Danach wollten Deborah, Paul und Ich eigentlich gehen, und uns im Camp wenigstens noch ein paar Stunden aufs Ohr hauen. Doch nun wurde der zweite Teil des Films "Worlds Apart" gezeigt, und so blieben wir, um mitzubekommen, wie die Story denn nun zu Ende gehen würde.


Worlds Apart - Teil 2


Als der Prinz nach einiger Zeit doch langsam, langsam von der Liebe seines Lebens Abschied zu nehmen schien, erfuhr er plötzlich, dass sie noch am Leben sei, sowie ihren Aufenthaltsort. Sofort machte er sich auf den Weg. Irgendwann war dann die "Zivilisation" zu Ende, so dass er seine Luxuskarosse stehen lassen und den Weg zu Fuß fortsetzen musste. Mit seinem Rollköfferchen kämpfte er sich nun den Weg durch den Busch, bis er schließlich im Dorf seiner Geliebten ankam. Als sie sah, wer ihr da entgegenkam, lief sie ihm freudig entgegen, und sie fielen sich in die Arme. Happy End - könnte man meinen. Doch es ging noch weiter.


Das Königspaar machte sich auf die Suche nach ihrem Sohn, und stellte ihn schließlich im Dorf bei seiner Geliebten. In einem Vier-Augen-Gespräch stellte nun der Prinz seinen Vater vor die Wahl, sich entweder einen neuen Sohn zu suchen, oder ihm bei der Ausführung eines Planes zu helfen, von dem seine Mutter nichts erfahren durfte. Da der Prinz nicht nur sein einziger Sohn, sondern auch sein einziges Kind war, willigte der König in den Deal ein. Er mietete im Auftrag seines Sohnes eine Apartment in der Stadt. In dieses zog sich der Prinz zusammen mit seiner Geliebten und ihrer Mutter zurück, und brachte ihnen dort die Grundregeln der Etiquette, Tischmanieren etc. bei.


Dann kam sein großer Auftritt. Er eröffnete seiner Mutter, dass er sich nun endgültig von seiner nicht standesgemäßen Freundin getrennt und sogar schon eine Neue gefunden habe; diese wolle er seiner Mutter in den nächsten Tagen vorstellen. Als es schließlich zu dem Zusammentreffen zwischen der Freundin des Prinzen und seiner Mutter kam, hatte sich jene so vom "hässlichen Entlein zum schönen Schwan" gewandelt, dass diese sie nicht mehr erkannte. Überaus zufrieden mit der Wahl ihres scheinbar nun endlich Vernunft annehmenden Sohnes drängte die Königin auf eine schnelle Hochzeit, der der Prinz "widerwillig" zustimmte. Auch hiernach hätte der Film eigentlich zu Ende sein können, doch ...


... als das junge Paar nun vielleicht ein halbes Jahr verheiratet war, beschloss der Prinz seiner Mutter reinen Wein einzuschenken und sie mit der Wahrheit zu konfrontieren. Er beraumte ein Treffen an, zu dem er neben seinen Eltern und seiner Frau auch deren Onkel und Tante einlud, bei denen sie zu der Zeit, als er sie kennen lernte, als Dienstmädchen gearbeitet hatte. Als er die beiden fragte, ob sie seine Frau und deren Mutter (wieder-) erkennen wuerden, verneinten sie. Daraufhin flüsterte der Prinz seiner Frau zu, sie solle sich doch mal eben umziehen gehen, und das Kleid tragen, mit dem sie seine Eltern vom Flughafen abgeholt hatte; sie entfernte sich.


Als sie wieder zurueck kam, sah sie nicht mehr aus wie eine Königstocher, sondern war wieder das einfache Bauernmädchen. Onkel und Tante erkannten sie nun natürlich wieder, und auch der Königin klappte die Kinnlade nach unten. Nach einer kurzen Zeit der Sprachlosigkeit nahm die Königin ihre "neue" Schwiegertochter in die Arme und bat sie um Vergebung. Happy End.



Zurück nach Massembe


Gegen Viertel vor Fünf war der Film zu Ende und wir drei brachen unverzüglich auf in Richtung Massembe. Groggy fielen wir um halb Sechs in die Betten und schliefen bis Mittag.



Paul war schon etwas früher wieder aufgestanden um die big boys aus Kundung abzuholen. Er kam mit ihnen allerdings erst etwas später zurück, da wohl noch nicht alle Feierlichkeiten vorüber waren.


Wir verbrachten den Nachmittag im Zivihaus und bastelten an der Autobatterie und dem neuen Autobatterie-Ladegerät. Es galt nicht nur, die beiden irgendwie zu verbinden, sondern auch noch Verbindungen von der Autobatterie zu den einzelnen Laptops herzustellen. Dies gelang uns schließlich dank der variablen Steckverbindungen, die Daniel dabei hatte. Endlich waren wir weitgehend von der Camp-Solar-Stromversorgung unabhängig!



Doch es gab einen Wermutstropfen. Da die Autobatterie drei Volt zu wenig leistet, werden die Akkus der Computer nicht geladen - weder im Betrieb noch wenn der Computer abgeschaltet ist. Es fließt jedoch genügend Strom um Daniels und meinen Laptop mit ausgebautem Akku zu betreiben. Pauls Notebook hingegen läuft nur, wenn er seinen Akku drin lässt. Wenn wir unsere Akkus in den Notebooks lassen, dann laden sie zwar nicht, sondern entlehren sich sogar immer noch - aber nur äusserst langsam im Vergleich zum alleinigen Akkubetrieb (d.h. ohne Autobatterie).


Somit ist die Autobatterie dennoch eine nützliche Stromquelle; vor allem wenn wir Filme schauen wollen. Danis "Acht-Stunden-Akku" ist dann nach vielleicht 90 Minuten am Ende. Mit einer 120 Ah-Batterie ist das hingegen kein Problem :-)

Montag, 24. Dezember 2007

Fr, 24. Dez. 2004

Der Vormittag wurde mit der Break begonnen, danach wässerten Paul und ich wieder die Pflänzchen im Garten. Der Nachmittag war frei.


Am Spätnachmittag begannen wir mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsessen, und um Viertel Sechs fuhr ich die Big Boys und Deborah nach Kundung. Sie feierten dort mit Lamin Manneh und den anderen "Kundung People" Weihnachten. Ich fuhr zwar wieder zurück, wollte aber später mit Paul nachkommen.




Weihnachten im Camp


Kurz vor Halb Sieben war ich wieder zurück im Camp. Das Essen war schon so gut wie fertig. Vielleicht Zwanzig Minuten später konnten wir anfangen. Es gab Schweinesteaks mit Nudeln, Sauce und Nudelsalat; dazu noch verschiedene Säfte, die nach Wunsch mit Eiswürfeln versehen werden konnten.


Danach gab's eine kurze Pause, wonach es mit der Weihnachtsandacht weiter ging, worauf sich die Geschenke anschlossen.




Weihnachten in Kundung



Daran anschließend war es für Paul und mich an der Zeit nach Kundung aufzubrechen. Als wir dort um Halb Zwölf ankamen, war bei ihnen gerade der Gottesdienst zu Ende gegangen, und es schloss sich das Schauen eines Films an; nicht im Haus, sondern unter freiem Himmel im Hof. Zu diesem Zweck wurde ein kleiner Generator betrieben, an den direkt die Videoanlage angeschlossen war. Anfangs stand der Generator zu nahe beim Video, so dass man nichts verstand. Dann stellte man ihn weiter weg ins Haus, und nun konnte man gut verstehen, was gesagt wurde.




Worlds Apart - Teil I


Der Film spielt in einem fiktiven Königreich irgendwo in Afrika. Die Darsteller sind englisch sprechende Schwarzafrikaner.


Die Story handelt von einem armen Bauernmädchen, das im tiefsten Busch lebt, und eines Tages den einzigen Topf der Familie zerbricht. Daraufhin muss sie sich auf den Weg in die große Stadt machen, um einen neuen Topf einzukaufen. Während ihres Stadtaufenthalts wird sie bei einem reichen Onkel wohnen, und sich bei ihm als Hausmädchen nützlich machen. In der Stadt angekommen, ist sie überwältigt von dem vielen Reichtum und der fortschrittlichen Technik. Der Höhepunkt ihres Tages ist, wenn jeden Morgen der Prinz des Landes auf dem Weg in die Stadt direkt am Haus vorbeifährt. Ihr gefallen die blitzenden Autos - 4 schwarze Mercedes SLK - so sehr, dass sie jeden Morgen am Straßenrand auf sie wartet. Nach einiger Zeit verliert sie ein wenig von ihrer furchtbar großen Landei-Scheu und winkt den Autos zu. Dies fällt dem Prinzen auf, und so beschließt er eines Tages, das Mädchen kennenzulernen. Nach verschiedenen Missverständnissen ist sie schließlich bereit, seine Begleiterin und Freundin zu werden. Soweit die Vorgeschichte.


Eigentlich könnte der Film nun vorbei sein, doch der Geschichtenschreiber hat sich gerade erst warm geschrieben, und so geht die Story nun erst richtig los. Und zwar damit, dass der König und seine Gemahlin (also die Eltern des Prinzen) wieder von einem längeren Auslandsaufenthalt zurück kommen. Der Prinz und seine neue Freundin holen sie vom Flughafen ab; doch sie wird von der Königin eisig empfangen, und dem Prinzen unverblümt nahegelegt, sich von diesem Etwas im Bettlergewand zu trennen; dabei hatte sie extra noch ihr schönstes Kleid angezogen, das gegen die Königskleider aber natürlich nicht ankam. Wenn der Prinz ihr daraufhin nicht seine Liebe geschworen hätte, wäre die Beziehung wohl zerbrochen, und die Story zu Ende. Doch sie hielten zusammen, und so musste nun die Königin aktiv werden. Sie machte sich auf den Weg zu dem Anwesen des Onkels des Mädchens, und wies die bei ihrem Erscheinen völlig angstvolle Tante an, das Mädchen umgehend wieder nach Hause zu schicken. Wenn der Prinz sich das nächste Mal nach ihr erkundigen solle, sollte sie ihm sagen, das Mädchen sei plötzlich krank geworden, und im Krankenhaus gestorben.


Der Prinz schluckte die Geschichte, doch es brach ihm das Herz. Zum Leidwesen seiner Eltern konnte er sich nur sehr schwer mit diesem Schicksalschlag abfinden. Hier war der erste Teil des Filmes zu Ende.

Montag, 26. November 2007

Fr, 26. Nov. 2004

Der erste Honor Roll Trip


Gegen Fünf Uhr in der Früh weckte uns Judy. Eigentlich wollten wir erst um Sechs aufstehen, aber da Judy keine Uhr hatte, und alle sowieso schon wach waren, beschlossen wir, früher aufzubrechen. Um dreiviertel Sechs (15 Minuten vor 6 Uhr) fuhren wir schließlich los.



Judy und die Kids quetschten sich in die für fünf Personen ausgelegte Fahrgastzelle. Paul und ich hatten keinen Platz mehr und fuhren hinten mit. Wenn es auch tagsüber immer gut warm ist, so kühlt die Temperatur in der Trockenzeit nachts doch ziemlich ab. Paul und ich froren jedenfalls ganz ordentlich; nachdem wir jeweils ein Handtuch um uns geschlungen hatten, wurde es etwas besser.


Station 1: West African Mission



Den ersten Halt legten wir bei der West African Mission ein, weil wir dort etwas abzuliefern hatten. Dort haben wir einen der Big Boys getroffen, der bis voriges Schuljahr noch bei uns im Camp zur Schule gegangen war. Außerdem lebt ein Bruder von Awa Manneh (eine unserer Schülerinnen) bei der West African Mission. Bei dem hat sie natürlich auch kurz vorbeigeschaut, ungeachtet der frühen Morgenstunde (7 Uhr).


Station 2: Besorgungen in Serrekunda


Etwa eine Stunde später kamen wir in Serrekunda an. Nachdem Judy in einem Store einige Samen für unsere Felder gekauft hatte, teilten wir uns zum ersten Mal auf, wenn auch nur für kurze Zeit. Paul holte bei Africell unsere Handy-Rechnung ab, Judy suchte nach einer geeigneten Parkmöglichkeit unweit eines Supermarkts, und ich ging Geld Wechseln. Als ich das letzte Mal vor drei Monaten diese Wechselstube betreten hatte, hatte ich für einen Euro noch 35.7 Dalasis bekommen. Inzwischen war der Kurs, wohl durch den schwachen Dollar bedingt, auf 36.5 Dalasis gestiegen, Tendenz weiter ansteigend. Wieder zurück beim Auto teilte mir Paul mit, dass von etwa 240 monatlich fälligen Dalasis Telefongebühren - was ja an und für sich schon nicht viel ist, erst Recht nicht, wenn man den Betrag noch durch vier teilt - 200 Dalasis Grundgebühr sind. D.h. der Luxus, dass wir täglich unsere Mails abholen, kostet uns ohne Grundgebühr im Monat gerade mal 10 Dalasis pro Nase; das sind noch nicht mal 30 Cent.



Während wir auf Judy und die Kids warteten, die in einem Supermarkt ein paar Kleinigkeiten einkauften, erstand Paul zwei mittelgroße Wassermelonen für umgerechnet 1.5 Euro und ich ein paar Weihnachtsgeschenke für meine Brüder. Anschließend ging's weiter zum Arch 22.


Station 3: Das Gambianische Museum


Nachdem er durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen war, lies President Jammeh einen (Triumph-) Bogen errichten, unterdem tagtäglich der Rush Hour Traffic der Hauptstadt hindurchgondeln sollte. Nach der Vollendung des Bogens stellten seine Ingenieure jedoch fest, dass der Bogen diesen Belastungen nicht gewachsen sei. Seitdem ist die Prachtstraße für den Verkehr gesperrt; nur hochrangige Regierungbeamte dürfen sie noch befahren.



Oben, im Querbalken des Bogens, befindet sich ein Museum. Nein, nicht irgendein Museum, sondern das Gambianische Museum. Bevor man eine der Wendeltreppen betritt, die in den Säulen nach oben führen, muss man noch einen kleinen Eintritt bezahlen; dieser ist dreifach gestaffelt: Kinder zahlen 5 Dalasis, Erwachsene glatt das Zehnfache. Schüler kommen da mit 15 Dalasis noch vergleichsweise gut weg.



Das Museum selbst ist allerdings ein wenig enttäschend. Es besteht lediglich aus einem vielleicht 10 mal 20 Meter großen Raum. Ausgestellt sind ein paar einfache Feldarbeitswerkzeuge, einige wenige Beispiele für einheimische Haarflechtkunst, ein paar Amulette, und ein halb kaputtes Modell eines alten amerikanischen Kriegsschiffes (keine Ahnung, warum das hier ausgestellt wird); das wars im Großen und Ganzen auch schon. Kein Wunder, dass der Besuch bald zu Ende war. Judy war in der Zwischenzeit zum Post Office gefahren, und wir mussten uns noch ein halbe Stunde gedulden, ehe sie zurück war.


Station 4: Shopping



Um kurz vor Elf stellten wir das Auto in einer belebten Nebenstraße ab, dann trennten wir uns erneut. Treffpunkt war um Ein Uhr beim Auto. Paul und ich zogen zusammen los. Schon an der ersten Kreuzung drängte sich uns ein einheimischer junger Mann als Freund und Führer auf. Er führte uns zu allen Geschäften seiner Bekannten, und wann immer wir auch nur ein leises Interesse an einer Sache bekundeten, bot er uns an als unser Freund für uns einen guten "Gambian Price" auszuhandeln. Diese Preise waren wirklich gut - allerdings eher für den Verkäufer als für uns. Denn auch wenn ein Moslem nicht betrügen darf, so hat er doch keinerlei Gewissensbisse einem Tubab die mehrfache Summe an Geld für eine bestimmte Sache abzunehmen, die ein Schwarzer zahlen müsste; erstens hat jener im Gegensatz zu diesem ja das nötige Geld, und zweitens zwingt ihn ja niemand zu dem Kauf.


Paul hat sich bei dieser Shopping Tour 6 Quadratmeter Stoff, eine 30 cm hohe Trommel, ein Holzkrokodil und einen geschnitzten Löwen, sowie einen maßgeschneiderten Fulla-Dress gekauft. Letzterer besteht aus sackähnlich gewohbenem Baumwollstoff, und ist nichts anderes als ein Sackgewand.



Unser Führer hatte uns auf kleinen Gassen, die oft nicht breiter als ein Meter waren, quer durch den Markt gelotst. Wir waren gerade mitten im Feilschen, da stand auf einmal Sabadou vor uns, sagte uns, dass Judy das Auto habe wegfahren müssen, zeigte uns mit der Hand die Richtung und war wieder verschwunden.


Kurz nach Eins kamen wir wieder zur Hauptstraße und hielten Ausschau nach dem Toyota. Da wir ihn nirgends sahen, beschlossen wir, die Hauptstraße in der Richtung entlangzugehen, die uns Sabadou gezeigt hatte. Nach wenigen Minuten fanden wir nicht den Toyota, sondern der Toyota fand uns.



Judy und die Kids waren schon um die Mittagszeit mit Einkaufen fertig gewesen, und zum Auto zurück gekehrt. Dort wartete bereits ein Police Officer auf sie und meinte, dort dürfe man nicht parken, und sie sollten mit zur Wache kommen. Judy entgegnete ihm, ein anderer Polizist habe sie angewiesen, genau dort zu parken. Nun gut, da mussten sie dann nicht mit auf die Wache gehen - aber bleiben durften sie auch nicht. Also packte Judy die Kinder ins Auto, und fuhr die restliche Zeit mit ihnen auf der Hauptstraße auf und ab, bis Paul und ich schließlich auftauchten - eine knappe Stunde lang!


Station 5: Restaurant


Da es nun schon nach Eins war, fuhren wir zu einem Restaurant, in dem Judy gerne ißt. Es gibt dort einheimische Kost, und jeden Tag ein anderes Tagesmenu. Außerdem ist das Essen dort sehr preiswert. Alles zusammen (10 Menus) haben wir 220 Dalasis gezahlt. Zum Vergleich: wir Zivis waren in den Sommerferien einmal beim Italiener; dort durfte jeder einzeln 200 bis 300 Dalasis berappen. Es gab genug zu essen, und wirklich jeder wurde satt. Anschließend ging es weiter zu einer Station, auf die sich die Kids schon den ganzen Morgen gefreut hatten.


Station 6: Der Strand



Der Strand liegt vor einem noblen Hotel. Die zum Hotel gehörigen Strandliegen darf man auch benutzen, wenn man nicht als Gast im Hotel eingecheckt ist. Allerdings sollte man dann pro Liege einen Drink ordern, und so quasi die Liege mieten. Kaum waren wir angekommen, da kam auch schon die erste Verkäuferin auf uns zu. Ob wir denn Früchte oder einen Obstsalat kaufen wollten. Da wir gerade erst gegessen hatten, meinte ich vage, "Später vielleicht," und lies sie stehen. Wir wollten erst einmal schwimmen gehen.



Nach einer Weile hatten Paul und ich dann genug, und wir wollten gerade zurück zur Liege laufen, da kam die Verkäuferin wieder auf uns zu. Sie sagte, ein Teller Obstsalat sei 100 Dalasis. Gut, wir gingen mit um uns die Tellergröße und die zur Auswahl stehenden Obstsorten anzusehen. Schließlich willigten wir ein, zwei Teller für 160 Dalasis zu kaufen, und ich trabte los, das Geld zu holen. Auf dem Rückweg sprang mir plötzlich ein einheimisches Mädel in den Weg, und wollte mich partout nicht vorbei lassen. Sie wollte mir wohl eine "Body Massage" andrehen. Das konnte ich jetzt gar nicht brauchen. Da ich mich aber mit ihr erst gar nicht auf ein Gespräch einlassen wollte, drehte ich mich um und ging zwei Schritte zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Schwupps stand sie wieder vor mir. Wunderbar! Schnell drehte ich mich noch einmal um, und trabte davon, meine ursprüngliche Richtung wieder aufnehmend. Das Mädel war völlig verdutzt, und die Einheimischen, die in der Nähe saßen, lachten sie aus. Dieser Kunde war ihr entwischt.



Bald darauf kamen Paul und ich mit zwei Tellern Obstsalat zu den Liegen zurück und wir verdrückten sie gemeinsam mit Judy und den Kids. Danach stüzten wir uns noch einmal in die Wellen, und dann war es auch schon Zeit zum Flughafen aufzubrechen.


Staion 7: Der Flughafen


Um Viertel Sechs kamen wir am Banjul International Airport (der sich nicht in Banjul, sondern in Serrekunda befindet) an. Daniels Flieger sollte zwar erst um 17:55 Uhr ankommen, aber wie sich herausstellte, war er 35 Minuten eher da, so dass wir just in time kamen.



Der Betrieb, der herrschte, als Paul und ich im August ankamen, war nicht zu vergleichen mit dem Betrieb heute. Wir waren nälich mitten in der Regenzeit gekommen, eine Jahreszeit, in der sich nur wenige Touristen ins subtropische oder gar tropische Afrika verirren. Jetzt, mit Anbruch der Trockenzeit, hatte sich das geändert. Aus dem Flieger ergoss sich ein richtiger Touristenstrom in die Vorhallen.


Es war interessant, die vielen völlig unterschiedlichen Leute und ihr Verhalten zu beobachten. Da gab es Rentner, die sich noch rüstig genug für einen Safari Trip halten (alles schön klimatisiert), Geschäftsleute jeder Schattierung, junge Abenteurer, Bildungsreisende, und viele andere. Ich wollte diese Eindrücke in Bildern einfangen, und fragte einen von der Security, ob ich Bilder machen dürfe. Der war total lässig drauf, und meinte nur, "Yes, of course, feel free!" Kaum hatte ich jedoch ein halbes bis ein ganzes Dutzend Bilder gemacht, als ein Mann in Zivilkleidung auf mich zukam, und von mir verlangte, sofort das Fotografieren einzustellen. Ansonsten würde ich meine Kamera verlieren. Ich entgegnete ihm, ich hätte die Erlaubnis eines Security Mannes. Als er mir das partout nicht glauben und meine ID-Card sehen wollte, bat ich ihn, mir doch einmal seine Security Card zu zeigen, um mir seine Autorität mir gegenüber nachzuweisen. Da verzog er sich mit der wiederholten Aufforderung, das Fotografieren einzustellen. Ich lies es auch bleiben, aber nur weil ich genug damit zu tun hatte, mich selbst zu beruhigen, und ihm gegenüber nicht im selben Ton zu antworten, wie er mit mir geredet hatte.


So warteten wir also weiter. Die Halle lehrte sich immer mehr, doch Daniel kam und kam nicht. Nachdem auch der letzte Fluggast die Auscheckhalle verlassen hatte, machte sich Judy auf den Weg zum Büro der Fluggesellschaft um nachzufragen, ob Daniel überhaupt an Bord gewesen war. Nach Durchchecken der Passenger Cards stand fest: Daniel war nicht an Bord gewesen!


Was war passiert??


Das galt es nun herauszufinden. Über einen öffentlichen Fernsprecher rief Judy ihre Mutter an, und trug ihr auf Näheres herauszufinden. In 90 Minuten würde sie sie dann noch einmal anrufen.


Station 8: Zurück nach Serrekunda



In der Zwischenzeit fuhren wir vom Flughafen zum Strand. Dort verdrückten wir eine Wassermelone und fuhren dann weiter in die Stadt von Serrekunda. Bei einem "Döner King" aßen wir zu abend: jeder und jede je ein dönerähnliches Fladenbrot, Chawava genannt. Anschließend wollten die Mädels noch kurz im Supermarkt einkaufen, und Paul und ich nutzten die Zeit, um kurz im nächsten Internet-Cafe vorbeizuschauen. Eine der Mails im Posteingang war von JJ. Er teilte uns mit, dass Dani auf Grund von Eisesglätte seinen Flug verpasst habe. Er werde mit dem Flug am Sonntag, abends um 18:30 Uhr, ankommen. Endlich wussten wir, woran wir waren.


Wieder zurück beim Auto, setzten wir Judy davon in Kenntnis; daraufhin brachen wir umgehend auf, da wir noch zum Übernachten zurück nach Somita fahren mussten. Beim Anschieben sprang das Auto aber diesmal nicht an, so dass wir mitten auf der belebten Hauptstraße standen. Flugs kamen ein paar Männer angerannt, und halfen uns, das Auto von der Sträße zu schieben. Dann schoben wir es auf dem "Seitenstreifen" erneut an. Gleiches Ergebnis. Einer der Männer checkte darauf hin das Auto. Eine der Verbindungen an der Batterie hatte sich gelöst. Die Batterie haben wir nämlich im Fußraum des Beifahrersitzes liegen, und eines der Kinder war wohl während der Fahrt oder beim Aussteigen an die Kabel gekommen. Da wir keinen passenden Schraubenschlüssel parat hatten, um die Sache zu "fixen", lief er schnell zu seinem Taxi, und holte einen. Kurze Zeit später war wieder alles in Ordnung, und wir konnten aufbrechen.


Station 9: Zurück nach Somita


Irgendwann auf dem Rückweg begann irgendwas am Toyota zu stinken. Kurz darauf tourte der Motor höher, ohne dass wir an Geschwindigkeit gewinnen würden - im Gegenteil: wir wurden langsam langsamer. Das Motorengeräsch hörte sich genau so an, als ob Judy die Kupplung nicht ganz hätte kommen lassen, und so der Gang nicht richtig einrasten konnte. Mit etwa 20 km/h erreichten wir glücklich Somita; dort verloren wir schneller an Fahrt. In die Einfahrt der Mission schoben wir den Toyota schließlich.


Beim Abstellen des Toyotas meinte Judy, wir hätten möglicherweise die historische letzte Stunde des Toyotas miterlebt. Das war mir in diesem Moment relativ egal; wir waren inzwischen 18 und eine halbe Stunde auf den Beinen gewesen, und wollten alle nur noch ins Bett. Ich hörte noch, wie Judy sagte, am folgenden Tag dürften wir ausschlafen. Alles klar. Gute Nacht!

Mittwoch, 10. Oktober 2007

So, 10. Okt. 2004

Im Gottesdienst sprach Andi über Gottes Wesen und Charakter.



Am Nachmittag gab es dann ein weiteres Highlight. Seal, Yamas Verlobter, ein passionierter Jäger kam zu Besuch. Bei früherer Gelegenheit hatten wir ihn schon gefragt, ob er einmal mit uns jagen gehen würde. Heute machte er seine gegebene Zusage wahr.



Nach der Siesta machten Seal, Daniel, J.J., Paul und ich uns mit dem Toyota auf Richtung Kundung. Nach 20 Minuten verliesen wir die Straße und fuhren vielleicht hundert Meter durchs hohe Gras. Dann parkten wir den Toyota und gingen zu Fuß weiter.



Nach einer Weile hatten wir die Jagdgründe erreicht, und Seal gebot uns zu warten. Er wollte vorgehen und checken, ob sich vielleicht irgendwo Antilopen aufhielten. Negativ. Also begannen wir gemeinsam mit der Suche nach den Affen. Und wir hatten Glück. Nach nicht allzu langer Zeit hatten wir eine kleinere Gruppe aufgestöbert.



Seal erlegte mit 4 Schuss 3 Affen. Der vierte Affe konnte mehr oder weniger schwer verwundet entkommen. Wir beschlossen, dass drei Affen eine ordentliche Beute seien.



Nachdem wir unseren Jadgerfolg bei im Rucksack mitgebrachten und noch halbwegs kühlen Cokes gefeiert hatten, machten uns auf den Rückweg; Seal hatte seiner Verlobten versprochen, um Fünf wieder zurück zu sein ...



Im Camp angekommen, machten wir uns gleich daran, den Affen das Fell abzuziehen, und sie auszunehmen. Den ersten zerlegte Seal für uns, gewissermaßen als Anschauungsunterricht. Um die beiden anderen kümmerten wir uns selbst. Ein paar der boys machten sich unterdessen einen Spaß daraus, sich einen abgeschnittenen Affenschwanz hinten in die Hose zu stecken und wie ein Äffchen zu posieren.



Nach dem Abendbrot wurden die Affen in kleine Schaschlik-Stückchen geschnitten. Die eine Hälfte froren wir ein. Die andere wurde eingelegt, um in den kommenden Tagen verzehrt zu werden.