Montag, 7. Januar 2008

Fr, 07. Jan. 2005

Dani war krank von der Senegal Reise zurück gekehrt und auch heute weiterhin krank. Um Acht habe ich Baba Ceesay, Amadou und Wuye mit dem Toyota nach Soma gefahren. Von dort fahren sie mit einem Gelle Gelle weiter nach Kombo. Für sie geht die Schule auch bald wieder los.



Um halb Zehn war ich aus Soma zurück. Paul und Balamoussa waren inzwischen dabei, den Raum Nr. 6 im Boys House, der als Store Room dient, auszuräumen und auszumisten. Für mich hatte Betty indes eine andere Aufgabe parat: die Nebedayo-Ernte. Wir haben auf dem Camp drei Nebedayo Trees, und die Blätter dieser Bäume sollen essbar und gesund sein. Nachdem ich beim ersten Baum alle Blätter in Bodennähe, die ich ohne Leiter erreichen konnte, abgeerntet hatte, fertigte ich mir aus einem Reissack, zwei kleinen Sicherheitsnadeln, und einer Schnur einen Erntesack zum Umhängen an. So ausgerüstet stieg ich auf den ersten Nebedayo Tree und erntete so auch alle Blätter ab, die ich kletterned irgendwie erreichen konnte. Zur Mittagszeit hatte ich alle erreichbaren Blätter abgeerntet; an den höheren, dünneren Außenästen blieben jedoch noch eine Menge Blätter zurück. Vielleicht kann sich schon jemand denken, was ich nachmittags machen durfte. Riiiichtig, den zweiten Nebedayo Tree abernten.

Sonntag, 6. Januar 2008

Do, 06. Jan. 2005

Der heutige Feiertag kam uns gerade recht. Er gab uns die Möglichkeit, uns von der Heimreise zu erholen, und Dinge zu erledigen, die während unserer Abwesenheit ein wenig zu kurz gekommen waren. Dazu zählte unter anderem auch die Aktualisierung des Zivi-Vokabulars:


Neue Zivi-Vokabeln


Falsch! - wird mit einem rollenden "L" ausgesprochen, wie es die Engländer in "Lorry" verwenden. Wird bei Sachen verwendet, die offensichtlich nicht stimmen. Stammt von Dani.


Na klar! - in hoher Stimmlage und mit einem trotzigen Unterton ausgesprochen. Kann zur Bestätigung oder Ablehnung verwendet werden. Stammt von Florian.


mein Freund - der eu-Diphtong ist gedehnt auszusprechen. Wird im Sinne von "Freundchen" verwendet. Stammt von JJ.


So geht das aber nicht! - auch von JJ; wird meist in Verbindung mit mein Freund verwendet.


Das war nix. - stammt von JJ.


Zehn Prozent Schwund sind normal. - beschwichtigende Formulierung, die inzwischen teilweise an die Stelle des Verdunstens getreten ist.


Ja wie?? - mit leicht gedehntem ie-Diphtong drückt diese Zivi-Vokabel Überraschung oder Unglauben aus.


Jetzt ma mal kei Hektik. - Danis Spruch, der afrikanische Gelassenheit vermittelt.


No hörry in Africa. - JJ's Redewendung für die gleiche Sache.


Waaahnsinn - von JJ; löst langsam die Wendung Vom Feinsten ab.


Weißt wie ich mein? - von Dani; ob man seinem Gedankengang folgen kann.


Siehst wie ich denk? - meine Paraphrase zu Danis obiger Frage.


Da hamm wers. - Floris Kommentar zu unerwarteten Ereignissen


O.k. Ich wär dann soweit. - mit leicht genervtem Unterton drückt diese Wendung aus, dass man selbst bereit ist, und nur noch auf die anderen wartet; von JJ.



Hermanns Rückkehr


Hermann hatte am Vortag seine Schwiegereltern vom Flughafen abgeholt und war mit ihnen über Nacht in Somita geblieben. An diesem Abend kam er schließlich zurück. An Bord hatte er Modou, der damit der erste Schüler war, der aus den Ferien zurück kehrte. Modou war so groggy, dass er erst einmal ein paar Minuten brauchte bis er uns sagte, dass er eigentlich den Gate Key holen sollte, da Hermann im Auto noch vor verschlossenen Toren stand.


Nachdem ich ihn eingelassen hatte, teilte er uns mit, dass sich in punkto Führerschein einiges geändert hat. So ist Ausländern das Fahren von Kfz nur noch sehr eingeschränkt möglich. D.h. im Klartext, dass wir jetzt im neuen Jahr weder mit dem Toyota noch mit dem Mitsubishi fahren dürfen, geschweige denn mit dem Truck. Das sind ja schöne Aussichten! Hoffentlich kann das NGO-Office da was bewirken, denn eine feine Sache ist das ja nicht gerade - ist das nun Einräumung von Privilegien an Einheimische (die sich in der Mehrheit sowieso kein Auto leisten können) oder Diskriminierung von Ausländern? Wir werden sehen; uns im Busch lässt das in der Praxis - bis jetzt zumindest - ziemlich unberührt.

Samstag, 5. Januar 2008

Mi, 05. Jan. 2005

Mit der Hoffnung heute endlich aufbrechen zu können räumten wir bis Dreiviertel Zehn unser Zimmer bei WEC. Mit einem Taxi liesen wir uns zum Pompiere Platz fahren, wo wir von einer Meute junger Kundenfänger empfangen wurden, die für die Gelle Gelles die Gäste Mitfahrer anwerben. Nach einer Stunde geordnetem Chaos hatten wir schließlich unsere letzten Euros in CFA gewechselt, und Plätze in einem Gelle Gelle ergattert. Gegen Mittag ging es los.


Wir hatten einen guten Gelle Gelle Fahrer. Da er alle nötigen Papiere dabei hatte, und sich ab dem ersten Polizeistop sogar angeschnallt hat (!), sind wir ohne Probleme zügig voran gekommen. Florian hatte ein GPS-Gerät dabei, mit dem wir die Strecke und die Geschwindigkeit bestimmen konnten; beim Gelle Gelle war nämlich der Tacho kaputt. Bis zur Grenze Senegal / Gambia waren es rund 260 Kilometer.


Am senegalesischen Grenzposten lies Daniel aus Versehen JJ's Hut liegen. Beim Zwischenstop am Grenzposten auf der gambianischen Seite kam uns ein Mann mit dem Hut hinterhergeradelt. Wir waren total überrascht, galt Senegal doch als Diebstahl anfälliges Land.



Um Sieben Uhr, gerade als die Sonne unterging, überquerten wir den Gambia River - abgelegt bei Tageslicht, angelegt bei Nacht. In Soma angekommen, riefen wir im Camp an und liesen uns vom Toyota abholen.

Freitag, 4. Januar 2008

Di, 04. Jan. 2005

Kurz nach Mittag machte ich mich mit Flo, einem Rucksack voll dreckiger Wäsche und über 100 Euro auf in Richtung WEC. Als wir ankamen lief gerade ein Meeting. Also wuschen wir zunächst unsere Wäsche, und warteten dann auf der Dachterasse darauf, dass das Meeting zu Ende ginge, und wir bei Sabine Geld wechseln könnten.


Gegen halb Zwei war es schließlich soweit. Wir wechselten unsere vorletzten Euros in CFA um. Dann fragte Flo nach, ob nicht vielleicht eventuell noch ein klitzekleines Zimmer frei sei. Es war eines frei, und zwar bis zum 07. Januar. Wir beschlossen uns wieder einzumieten, und machten uns wieder auf den Weg zurück zur Adventistengemeinde. Die anderen nahmen die Freudenbotschaft, dass wir die nächste Nacht wieder bei WEC verbringen würden, mit Begeisterung auf. Wir beglichen noch unsere Rechnung bei den Adventisten, dann brachen wir unverzüglich auf.



Nun, da wir wieder ein richtig zivilisiertes Dach über dem Kopf hatten, brachen wir am Nachmittag zu unserer letzten Touristen-Tour auf, und zwar zur Ile de Goree, der ehemaligen Sklaveninsel.



Die Überfahrt kostete jeden 5.000 CFA (hin und zurück) und dauerte etwa 20 Minuten. Auf der Insel besichtigten wir alte Gebäude aus der Zeit der Sklaverei, ein Museum, eine Kirche mit zwei Davidssternen am Eingang und andere Sehenswuerdigkeiten. Damit meine ich weniger die unzähligen Händlerstaende, die überall am Wegrand stehen, und an denen man von Bildern, über Halsketten bis hin zu Bechern aus grossen Hörnern (oder doch Kunststoff...?) alles kaufen kann; nein ich meine eher die Befestigungsanlagen und Kanonen, mit denen das Eiland in früheren Zeiten verteidigt wurde, und die jetzt noch immer als Relikte über der Insel thronen.



Bei Einbruch der Dämmerung fuhren wir zurück. Es war inzwischen kalt geworden. In der Stadt (Dakar) ist das zwar nicht weiter schlimm, da die vielen Menschen, Gebäude und Autos genug Wärme produzieren; nachdem wir jedoch eine knappe Stunde am Strand auf die Fähre gewartet hatten, waren wir von der "frischen Brise" abgekühlt bis durchgefroren, so dass wir froh waren, als wir schließlich wieder bei WEC ankamen. Dort erfuhren wir von Erwin, dass der Streik der Gelle Gelle Fahrer schon heute beendet worden
sei, und wir, wenn wir gewollt und es gewusst hätten, schon heute hätten aufbrechen können.


Gut, blieb uns nur zu hoffen, dass sie am folgenden Tag nicht wieder streiken würden, so dass wir am Mittwoch weg kommen würden. Denn langsam wurde unser Geld knapp, und wir wollten auch nicht auf den letzten Drücker zurück kommen. Wir konnten nur beten, dass alles klappen würde.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Mo, 03. Jan. 2005

Wer kennt nicht das Sprichwort? "Denn erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!" Es passte wunderbar auf diesen Tag.


Auf Zehn sollten wir unser Zimmer räumen - um Elf hatten wir fertig gefrühstückt, und waren abfahrbereit. Ein Taxi brachte uns zum "Busbahnhof", doch an diesem Tag hatten sich die Gelle Gelle Fahrer entschlossen zu streiken. So fuhr an diesem Tag kein Gelle Gelle, und natürlich erst recht keins bis nach Gambia.


Zu unserem Glück kam Erwin Zimmermann, Pauls neuer Freund, mit seinem Jeep gerade vorbei, um uns abzuholen. Doch wohin nun? - Zu WEC konnten wir nicht zurück, da sie ausgebucht waren. Also fuhr uns Erwin zu der nur 500 m von WEC entfernten Adventistengemeinde; die hatten zwar kein "Guest House", waren aber bereit uns fuer 2.000 CFA pro Nacht und Kopf einen circa 18 qm grossen Raum mit zwei Betten und drei Matrazen zur Verfügung zu stellen. Da
wir keine bessere Wahl sahen, und das Angebot nicht zu teuer war, nahmen wir dankend an.


Den Nachmittag verbrachten wir im Zimmer liegend, bzw. der ein oder andere ging hin und wieder mal kurz in die Stadt. Erwin schaute auch mal vorbei und meinte, die Streiks würden auch am folgenden Tag noch andauern.



Den Abend verbrachten wir mit einem Spiel, das ich am Strand gekauft hatte, und mit Abfragen von Bibelstellen.


Dann kam die Nacht. Wir wollten schlafen, doch wir konnten nicht. Der Raum hatte eine Tür mit schwenkbarem Glaseinsatz, sowie ein Doppelfenster. Weder das Eine noch die Andere waren mit einem Moscito Screen ausgestattet. Da wir aber die Tür offen lassen mussten, um nicht im eigenen Mief zu ersticken, wurden wir jämmerlich verstochen. Unruhig wälzten wir uns hin und her; erst gegen Sieben Uhr morgens konnte ich richtig einschlafen.

Mittwoch, 2. Januar 2008

So, 02. Jan. 2005

Heute mussten wir etwas früher aufstehen, da wir in den Gottesdienst gehen wollten. So frühstückten wir schon um Dreiviertel Zehn. Kurz vor halb Elf machten wir uns auf den Weg in die nur wenige Hundert Meter entfernte "Eglise Evangelique", die evangelische Gemeinde in die auch die WEC-Mitarbeiter gehen. Wir dachten schon, wir würden ein wenig zu spät kommen - aber es scheint wohl doch keine Gemeinde zu geben, in der es pünktlich los geht ... ;-)


Der Gottesdienst begann mit ein paar moderneren Liedern und einer kleinen Chereografieeinlage. Dann durften sich alle Neuankömmlinge in der Gemeinde erheben und sich kurz vorstellen. Wir wurden von Sabine vorgestellt und vom Pastor - wie die anderen auch - herzlich willkommen geheißen. Danach wurde das Abendmahl gereicht und gemeinsam zelebriert. Daran schloss sich die Predigt an. Der junge Pastor sprach über Offenbarung 14,1-5 und 4. Mose 9,15-23. Schließlich wurde der Gottesdienst mit einem Gebet und der Bekehrung von vielleicht sieben Leuten beendet!


Es war Ein Uhr. Die vier anderen fuhren zum Strand; ich blieb im Zimmer und ruhte mich aus. Als die anderen vom Strand zurueck kamen, zeigten sie mir ihre Neuerwerbungen: JJ hatte ein Trikot und Paul eine Uhr erstanden - warum weiss er aber selber nicht, denn seine alte funktioniert noch. Da haben die beach boys gute Arbeit geleistet ...


Anschließend haben wir unser Abendbrot zu uns genommen, das heißt vier Mal "Pizza Exotica" und einen Hamburger (JJ). Dann haben wir uns wieder verteilt: Dani und JJ sind einen "Hopfengerstentee" stemmen gegangen, Paul zu seiner Abendlichen Diskussionsrunde mit Erwin, und ich in ein Internet Cafe.


Unsere Pläne für die nächsten Tage sahen so aus: mit Public Transport wollten wir bis zu WEC in Serrekunda kommen, uns dort bei GPI oder den boys einquartieren, und noch zwei Tage in Serrekunda verbringen.

Dienstag, 1. Januar 2008

Sa, 01. Jan. 2005

Danach haben wir uns von einem Taxi in die Stadt fahren lassen, und zwar an den Unabhängigkeitsplatz; das ist der Platz der Stadt, und um diese Tages- oder besser Nachtzeit war hier der Bär los; ich kann nur sagen: an Silvester ist es auf diesem Platz total gefährlich! Jeder - wirklich jeder - wirft seine Knaller ein paar Meter von sich weg – mitten in die Menschenmenge! Obwohl ich noch ziemlich aufgepasst hab, ist mir ein Knaller direkt zwischen den Füßen, und einige in meiner Nähe explodiert. Manche waren sogar so drauf, dass sie sich mit Leuchtkugeln beschossen haben! Dementsprechend hat es mich auch nicht lange in diesem Tollhaus gehalten, und ich konnte die anderen (wenn auch mit einigem Aufwand) davon überzeugen, dass es nun genug sei.


Wieder daheim schauten wir uns noch einen Film an, dann gings ins Nest. Aufgestanden wurde wieder gegen Mittag. Nach dem "Brunch" und einer kleinen Ruhepause fuhren Dani, JJ, Flo und ich mit einem Taxi an den Strand. Der befand sich bei einem Hotel und sah aus wie ein Traumstrand - doch auch hier gab es die berüchtigten "beach boys", die uns irgendwann ein Spiel (mir), eine Holzgiraffe (Flo) und eine Uhr (Dani) verkauft hatten. Das Schwimmen im Ozean von Dakar war klasse, die Wellen schön hoch - und das Wasser arschkalt. Macht aber nix – wer kann schon an Neujahr im Meer baden?!


Zurück zum Hotel gings wieder mit demselben Taxi: wir hatten den Taxifahrer auf eine bestimmte Uhrzeit einfach wieder zum Strand bestellt. Ist schon bonzenmäßig, so ein eigener Chauffeur ...



Abends versorgten wir uns wieder mit Pizzen und Chawarmas; danach schauten wir uns einige Filme an. Paul diskutierte in der Zwischenzeit wieder mit Erwin Zimmermann über dieselben Themen wie die Abende zuvor. Wir Vier hauten uns etwa um Zehn aufs Ohr; Paul erst drei Stunden später.