Sonntag, 7. Oktober 2007

Do, 07. Okt. 2004

Am Vorabend war Andi mit den Schülern aus Somita zurückgekommen, so dass heute wieder alle in der Schule waren.



In der project class am Nachmittag gab es nur ein Projekt. Alpha musste sich aus Papier zwei Trichter unterschiedlicher Größe basteln. Mit ihnen versuchte er dann meinen heart beat zu messen. Da das mit den provisorischen Stetoskops nicht so recht klappen wollte, lies ich ihn eben meinen Puls messen.


Am Abend war Paul mit der computer class der boys an der Reihe, so dass ich mich schon um 21:00 Uhr hinlegen konnte. Ich war fix und alle.

Mi, 06. Okt. 2004

Ziemlich gereizt ging ich heute in die break. Die, wie es mir vorkam, heute extrem langsame Auffassungsgabe meiner students hatte mich fast alle meine Geduld gekostet. Hinzu kam, dass ich dadurch mehr Zeit mit jedem zubringen musste und somit keine Ruhepause hatte. Nach der break wollte ich mit Alpha den Bibelvers lernen. Er war letzten Samstag eingetroffen und hat somit noch einiges aufzuholen. Er ist jedoch ein sehr heller Kopf, er ist mit einer extrem schnellen Auffassungsgabe gesegnet und kommt somit gut voran. Als ich in von der Pause abholen wollte, begann er jedoch mit zwei oder drei anderen, folgendes "Spiel" zu spielen: man schreit dem anderen etwas auf Mandinka zu (damit es der teacher nicht versteht), worauf man auf einander losgeht und Schläge austeilt. Alpha warf zusätzlich noch mit Steinen nach den anderen.



Das hatte mir an diesem Morgen gerade noch gefehlt! Nach ein paar vergeblichen Versuchen, sie mit strengen Worten zum Einlenken zu bewegen, schnappte ich mir Nkuke, Modou und Alpha, und ging mit ihnen in die Schule. Unterwegs nahm ich noch Paul Warkentin als Unterstützung mit. Louis hatte sich bei meinen ersten strengen Worten aus dem Staub gemacht. In der Schule musste ich mich schon ein wenig beherrschen, um nicht an ihnen meinen Frust rauszulassen, und ihnen eine Tracht Prügel zu verabreichen, sondern "nur" die vorgeschriebenen spankings auf den Hosenboden. Das vorangehende Ins-Gewissen-Reden war ohne sichtbaren Erfolg geblieben. Bei solchen Moralpredigten machen sie es nämlich wie bei den anderen Predigten und Andachten nur zu oft auch - sie stellen auf Durchzug.


An das Ausklopfen des staubigen Hosenbodens schloss sich eine Sitzstrafe an. Nach der Siesta kam schließlich auch der letzte der boys zu mir und entschuldigte sich für sein Fehlverhalten. Nach dem abschließenden Gebet war die Sache bereinigt.


Allerdings gab es in der Siesta noch einen weiteren Zwischenfall. Moses, sonst lammfromm, hatte einen Stein nach Louis geworfen und ihn damit am Kopf verletzt. Henry und ich wuschen die Wunde mit kaltem Wasser aus und sagten ihm, er solle sich hinlegen. Schlimm kann die Wunde nicht gewesen sein, denn eine halbe Stunde später war er schon wieder so fiedel wie zuvor.


Nach diesem "Klasse-Tag" hatte ich erst einmal eine Abwechslung nötig. Nach der abendlichen Computer Class mit den girls installiert ich Cäsar III auf dem Zivi-Notebook und verlor mich in dem Spiel ...

Freitag, 5. Oktober 2007

Di, 05. Okt. 2004

Heute war die Reihe, afternoon school zu halten, wieder an mir. Daran anschließend haben Henry, Sonja und ich angefangen das Script für das christmas play auszuarbeiten. Es soll um den Verlorenen Sohn (The prodigal Son) gehen. Da ich heute besonders lange gearbeitet hatte, war ich nicht traurig, dass die Computer Class ausfiel. Die Jungs waren in Somita.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Mo, 04. Okt. 2004

Didi und Matze fuhren nach dem Mittagessen mit dem Toyota nach Kombo um einige Besorgungen zu machen. Begleitet wurden sie von Andi und den big boys, die sie in Somita absetzten. Sie verbrachten dort zwei Tage als Belohnung für einen Bibelkurs im vergangenen Schuljahr.


Das teachers' meeting – eigentlich auf den Folgetag anberaumt, dann aber doch heute gehalten – ergab folgende Veränderung: von nun an wollten wir zwei Computer Classes machen, eine mit den big boys und die andere mit den big girls. Diese montags und mittwochs, jene dienstags und donnerstags. Paul würde sie montags und donnerstags halten, ich dienstags und mittwochs. Die Tatsache, dass wir beide Gruppen unterrichten, hat den Nebeneffekt, dass jeder von uns nur eine Andacht pro Woche vorzubereiten hat. Vom Feinsten.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

So, 03. Okt. 2004

Bruder Heinrich sprach heute über das Gleichnis des unbarmherzigen Schuldners. Nachmittags machten sich Andi, Dani, Didi, Henry und J.J. auf nach Tentaba. Dort gibt es einen gediegenen Swimming Pool und Essen "vom Feinsten" (eine weitere Zivivokabel, nicht ironisch gemeint).



Matze, Paul und ich blieben zu Hause. Matze wollte sich ausruhen. Paul wollte so den Sonntag heiligen und die Zeit mit Bibel studieren verbringen. Und ich? - Ich wäre auch gern mit nach Tentaba, aber Daniel Mandy, Job, Paul Mandy, Buba, Alex und David Mandy wollten unbedingt Monopoly spielen, und sie brauchten jemanden, der mit ihnen spielte und die Ereignis- bzw. Gemeinschaftskarten vorlas; denn es war eine deutsche Monopoly-Version. Also verbrachte ich die Zeit mit den boys. Als richtiger Krösus gewann ich das Spiel. Die Jungs haben einfach noch keinen richtigen Geschäftssinn ...


Als die Jungs von Tentaba zurück kamen, brachten sie kleine Reste eines Wildschweins mit, dass sie verzehrt hatten, und wir "Zurückgebliebenen" durften auch mal noch beißen.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Sa, 02. Okt. 2004

Woran schon keiner mehr geglaubt hatte, das ist heute wahr geworden. Vom heutigen Trip nach Soma kam Dani mit 5 Kästen Cola zurück! Hier in Gambia haben die aber nur eine kurze "Halbwertszeit": wegen der Hitze "verdunsten" sie in Null-Komma-Nichts.



Inzwischen haben wir uns ein kleines Zivi-Vokabular angelegt. Verdunsten ist eines davon, und wird verwendet, wenn irgendetwas fehlt oder plötzlich nicht mehr da ist. Bei uns sind schon einige wichtige Schlüssel verdunstet. Außerdem verdunstet im Zivihaus alle zwei Tage ein Kasten Coke.

Montag, 1. Oktober 2007

Fr, 01. Okt. 2004

Die erste Art Class in Eigenverantwortung war meine Aufgabe nach dem verkürzten Vormittagsunterricht. Die beiden kleinsten Mädels sowie drei der small boys sind in meiner Klasse. Andis Art Class wechselt sich mit meiner ab, so dass wir beide 14-tägig dran sind. Er hat fünf der größeren Mädchen.



Auf dem heutigen Kunstprogramm standen die kurze Wiederholung des in der letzten Unterrichtsstunde Gelernten (Linien), Einführung und Benennung der wichtigsten Formen (Kreis, Dreieck, Rechteck, ...) und in beschränktem Rahmen kreative Arbeit. Zum Abschluss der Stunde stellten wir aus den erlernten Formen ein Gesicht mit Krone zusammen, das die Kinder ausmalen durften. Nach getaner Arbeit durften sie dem Kind noch einen Namen geben, und wer wollte, durfte "König David" in seinem Zimmer aufhängen.


Das Mittagessen lies ich ausfallen. Bei vier Mahlzeiten täglich geht das schon mal.


Nach der Siesta stand dieses Mal ein besonderes Programm an: die practical workers wollten den neuen Wasserspeicher im Garten mit einem Stahldeckel versehen, und brauchten noch ein paar Hände um ihn hochzuhieven. Zu diesem Zweck wurden alle verfügbaren teachers eingespannt.



Mit Toyota, Traktor und Anhänger ging's ab in den Garten. Der Toyota wurde mit seinem Aufbau rückwärts an den Wasserspeicher herangefahren. Direkt daneben wurde der vom Traktor gezogene Anhänger eingeparkt, auf dem sich der Deckel befand. Durch Auflegen zweier Dielenbretter auf den Toyotaaufbau entstand eine höher gelegene Zwischenstation auf dem Weg nach oben zum Wasserspeicher. Vom Hänger aus wurde der Deckel vereinten Kräften auf die Zwischenstation gehievt, und von dort weiter auf den Wasserspeicher.



Die Arbeit der Lehrer am Wasserspeicher war damit erledigt. Paul setzte sich beim Traktor hinters Steuer, und wir fuhren wieder zurück zum Camp. 20 Meter vor dem Camp blieb der Traktor an einer größeren Unebenheit der Straße hängen, und er ging aus. Leider besitzt er keinen Starter und muss immer angeschoben werden. Mit Anhänger und auf solchen Lochpisten von Straßen ist das jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. Nach kurzer Beratung, wie der Karren am Besten aus dem Dreck zu ziehen sei, sockte Andi los und besorgte den Toyota.



Mit einem simplen Hanfseil versuchten wir daraufhin den Traktor abzuschleppen. Nach 10 Metern riss das Seil bei dem Versuch, den Traktor zu starten. Nachdem wir es wieder zusammengeknotet hatten, zog der Toyota den Traktor zunächst in den Camp-Hof. Dort ist der Untergrund eben und ohne Gefälle, und dort gelang es Paul dann auch den Traktor zu starten.



Bei den Mädchen war inzwischen die wöchentliche P.E.-Einheit in vollem Gang und ich mit der Kamera zur Stelle. Geboten wurden dem Publikum, das überwiegend aus Kindern von Massembe bestand, ein Fangspiel, Weitsprung sowie ein kurzes Fußballspiel.



An diesem Abend wurden wir mit Nudeln und Tomatensoße verwöhnt. Ich glaube, unser Küchenteam hat sich vorgenommen die Latte für ihre Nachfolger hoch anzulegen. Das Essen abends ist eigentlich immer "vom Feinsten" (O-Ton J.J.).